Gesamtbericht Partnerschaftsreise 2002

Bericht über die Partnerschaftsreise nach Mosambik zum Aufbau einer Partnerschaft zwischen der Gewerbeschule 6 in Hamburg und der Uniao Geral das Cooperativas Agro-Pecuarias de Maputo

vom 18.06. – 09.07. 2002

Mittwoch 19.06.2002

Am Flughafen von Maputo, wurden wir von Donha Margarida, einer der vier geschäftsführenden Direktorinnen der Uniao Geral, herzlich empfangen. Außerdem trafen wir Claude, die bereits drei Tage vor uns in Maputo angekommen war.

Unser Gepäck wurde schnell auf bereits auf uns wartende Pick-Ups geladen. Diese brachten uns ins Zentrum, zum Hauptbüro der Uniao Geral. Bereits der kurze Weg, war für äußerst eindrucksvoll:

•  Einfache Hütten und Baracken, die aus einfachsten Materialien bestanden

•  Unzählige am Straßenrand spielende Kinder

•  Offensichtliche Armut und der schlechte Zustand der Straßen

•  Das Gefühl, in eine andere und uns neue Welt einzutauchen.

Im Büro der Uniao wurden wir dann von Padre Prosperino begrüßt. Prosperino ist ein italienischer Padre, der die Gründung der UGC maßgeblich unterstützt hat und bis heute einen wesentlichen Einfluss auf die Leitung der UGC hat.

Nach einer kurzen Bekanntmachung legten wir einen vorläufigen Plan für drei Tage fest. Wortführend war Rainer, der trotz langer Sprachpause sehr gut portugiesisch spricht.

Die ersten drei Tage wollten wir dazu nutzen, einzelne Kooperativen zu besichtigen sowie Einblicke in die Arbeit der Uniao Geral zu bekommen.

Nach einer gut gekühlten Cola wurden wir dann in das Agrar- Zentrum gefahren, welches 10 Kilometer außerhalb von Maputo- Stadt liegt. Bereits gegen 17:00 Uhr brach die Dämmerung ein. Der Weg führte durch die Stadt, am Strand entlang bis hin zu ungepflasterten, sehr holprigen Sandstraßen.

Als wir gegen 17.00 Uhr im Agrarzentrum ankamen, war es bereits dunkel. Dieses Zentrum wird von der UGC als Zentrum für die agrartechnische Fortbildung ihrer Mitglieder und als Gästehaus genutzt. Auch hier wurden wir wieder sehr herzlich empfangen. Man zeigte uns unsere Unterkünfte, auf die wir uns nach Frauen und Männern getrennt aufteilen sollten. Nach einem kurzen aber lustigen Gespräch hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir alle in einem Haus wohnen und sogar in gemischten Zimmern schlafen würden. Wir waren von dem Komfort überrascht, der uns hier geboten wurde. Uns standen sieben Zimmer mit insgesamt 18 Betten, sowie ausreichend und sehr sauberen Sanitäranlagen zur freien Verfügung.

Gegen 17:45 Uhr gingen wir dann in das Haupthaus. Dort gibt es einen Aufenthaltsraum, ein Esszimmer, eine Küche, Büros, sowie Sanitäreinrichtungen.

Es war bereits ein Tisch gedeckt, an dem wir Platz nahmen. Während wir aßen, wurde nach und nach mehr Essen auf eine Tafel neben uns gedeckt. Wir waren sehr verunsichert, für wen der Reis, die Hühnchen, der Rotbarsch, die Batatas Fritas, die Salate, die Hühnerherzen, das Fleisch sowie das Obst bestimmt waren. Als die Tafel fertig gedeckt war, wurde uns dann gesagt, dass nun das Abendessen fertig wäre. Das Essen war hervorragend und schmeckte ausgezeichnet. Gut genährt, gingen wir dann nach und nach ins Bett, um das erste Mal in Afrika zu übernachten.

Donnerstag 20. 06.2002

Da uns die Reise sehr geschafft hatte, schliefen wir an diesem Tag länger und frühstückten erst um 10.00. Danach wurden wir mit Mariana und Amelia bekannt gemacht. Sie sind zuständig für die Reinigung der Gästehäuser sowie für die Wäsche der Gäste und das warme Wasser zum Duschen. Wir schrieben unsere Namen auf , damit sie sich diese besser einprägen konnten. Nicht alleine die Aussprache brachte sie immer wieder zum Kichern, und wir hatten trotz Verständigungsschwierigkeiten viel Spaß.

Mariana machte uns dann mit der Leiterin der im Agrarzentrum tätigen Kooperative bekannt. Ihr Name ist Eugenia, auch hier stellten wir uns alle persönlich vor und schrieben unsere Namen auf. Sie führte uns durch die Gewächshäuser für die Cashewpflanzen und erklärte einige Details, z.B., dass die jungen Pflanzen später auf den Feldern eingepflanzt werden sollten und dass die verschiedenen Stationen nur zur Kultivierung nach Gütekriterien dienen.

Wir bekamen vielfältige Eindrücke, z.B., dass die Frauen während der Kompostherstellung eigenartige Laute wie Kiri, Kiri riefen und dabei anscheinend viel Spaß hatten. Die Begegnungen verliefen immer zwischen Neugierde, Schüchternheit und alberner Ausgelassenheit. Außerdem konnte wir schon hier feststellen, dass die Kooperativen um Nachhaltigkeit bemüht sind, d.h., alles was angebaut wird, ist für die Kooperative von Nutzen. So wie aus den Pinienbäumen nicht nur Früchte, sondern auch das Holz für den Möbelbau gewonnen wird.

Auf gleichem Gelände gibt es auch eine Krankenstation , die nicht nur die Mitglieder, sondern auch umliegende Anwohner versorgt. Etwa einhundert Pflegefälle besuchen täglich die Einrichtung, wovon die Mehrzahl Malariafälle sind.

Die Station ist sehr spärlich ausgestattet und mit europäischen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Sie besteht aus drei Räumen: Einem Wartezimmer, allein mit einer kleinen Holzbank ausgestattet und zwei Untersuchungsräumen mit jeweils ca. 10 qm. Es besteht dort auch die Möglichkeit, Blutuntersuchungen bei Malariaverdacht durchführen zu lassen.

Hauptaufgabe der Krankenstation ist neben der Versorgung der akuten Fälle die Beratung der Mitglieder in Fragen der Familienplanung und die Aufklärung über Aids, dem größten, nicht nur medizinische Problem dieses Landes.

Außerdem befindet sich etwas abseits eine Apotheke zur Medikamentenausgabe, in deren Regale außer ein paar Schachteln Aspirin kaum etwas vorzufinden war. Dies brachte uns spontan auf die Idee, unsere mitgebrachten medizinischen Utensilien zu überreichen. Um 11.00 wurden wir von Donha Margarida abgeholt, um angrenzende Kooperativen zu besuchen .

Montag der 24.6.2002

An diesem Morgen sind wir zu einer Fabrik zur Produktion von Hühnerfutter gefahren. Sie liegt auf dem Land, etwa eine halbe Stunde Autofahrt entfernt von Maputo. Wie immer zogen wir die Blicke der Anwohner der Dörfer auf uns. Wir vertrieben uns die Zeit während der Autofahrt mit rhythmischen Klatscheinlagen und sangen ein paar Lieder. Außerdem erwiderten wir die Begrüßungen der Menschen.

Bei der Fabrik angekommen, sahen wir uns das Fabrikgelände an und uns wurde dann der Arbeitsablauf erklärt.

Das Futter besteht aus Mais und Fischmehl sowie Proteinen. Für die jungen Hühner kommt ein Arzneimittel zur Förderung des Wachstums hinzu.

Die Maschine wurde 1999 aufgebaut und ist finanziert durch einen Kredit einer südafrikanischen Bank.

Die Maschine steht in einer alten Halle, die Räume sind zugestaubt und es stieg uns ein penetranter Fischgeruch in die Nase. Die Maschine ist circa 8 Meter lang und ist unterteilt in verschiedene Trichter, in denen die unterschiedlichen Zutaten beigemischt werden.

Am Ende der Maschine hockt ein junge Mann, der das schon abgewogene Endprodukt in Säcke von 50 Kilo abfüllt. Er sitzt dort täglich 8 Stunden auf seinem Futtersack und staubt dabei völlig zu.

Eine hochschwangere Frau transportiert die Säcke mit einem Karren zu einem Zwischenlager. Dort werden die Säcke von Arbeitern dann noch mit einer Handnähmaschine zugenäht.

Die Arbeitszeit beträgt 48 Stunden die Woche und ist äußerst monoton. Pro Monat erhalten die Beschäftigten den staatlich festgelegten Mindestlohn von weniger als 30 US Dollar. Da das Leben in Mosambik preislich gesehen vergleichbar ist mit Deutschland, ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie die Menschen das Überleben ihrer Familien sichern. Hinzu kam noch, unter welchen Bedingungen die Menschen dort arbeiten müssen. Ohne jegliche Schutzmaßnamen wie z.B. Staubmasken, Gehörschutz oder Schutzbrillen.

Auf der Rückfahrt machten wir einen Abstecher zur Töpferei der UGC, wo wir zunächst sehr schweigsam empfangen wurden und die Arbeiter sofort mit der Demonstration ihrer Arbeit begannen. Zunächst wurde der schwarze Ton aus den Säcken in eine Pressmaschine gedrückt, vorne kam der Ton dann in Wurstform heraus. Daraus wurden Klumpen geformt, aus denen dann verschiedene Produkte geformt wurden. Es war sehr faszinierend, die Leute dabei zu beobachten, mit welchem Fingergeschick sie in wenigen Minuten wunderschöne Formen entstehen ließen.

Draußen saßen 2 Frauen und ein Kind, die die schon gebrannten und verzierten Produkte abschliffen. Sie sahen erschöpft und müde aus und durch den Schleifstaub hatten sie unsagbar trockene Haut. Das Kind einer Arbeiterin hatte gerade Schulferien.

Chris zeigte uns dann auch noch seine Töpferkünste, welche sehr witzig aussahen und zur Belustigung aller beitrugen.

In einem Schrank sah man die fertigen Produkte stehen, welche uns sehr gefielen und einige aus unserer Gruppe auch etwas kauften, zu erschreckend niedrigen Preisen. Der Gewinn geht ausschließlich an die UGC.

Am Abend hatten wir es durchgesetzt, uns mal frei zu bewegen. Wir wollten auf ein Konzert gehen. Die Bedingung der UGC war allerdings, dass drei bewaffnete Polizisten uns begleiten mussten. Sie führten uns erst mal durch etliche Straßen. Das Konzert fiel aus wegen des schlechten Wetters, die nächste Kneipe gefiel unseren Begleitern nicht, so landeten wir dann letztendlich in einer kleinen Bar, in der uns von den Jugendlichen eine Tanzshow geboten wurde. Außerdem schmissen sie eine Kassette von ROXETTE in den Kassettenrekorder und drehten voll auf. Die Jungen waren sehr aufgeschlossen und es kam gleich eine sehr nette Stimmung auf.

Als wir zu Hause ankamen war es erst 23 Uhr und wir lachten, da es eigentlich noch viel zu früh war um ins Bett zu gehen. Allerdings wird es hier in Mosambik schon um halb sechs dunkel und die Sonne geht um sechs Uhr schon wieder auf (Winterzeit).

Mittwoch 26.06.02

Nach dem Frühstück wurden wir von Belane, einem Fahrer der UGC, Fumo, einem anderen Fahrer, der und als Übersetzer helfen sollte, und Alfredinho, einem von der UGC kontraktierten Polizisten, abgeholt, um zu dem Museum des bereits 1994 verstorbenen Bildhauers Chissano in Matola zu fahren.

Der 1935 in Gaza geborenen Chissano kam über Umwege zur Kunst. Er wurde nach der Schule zum Militärdienst eingezogen, hat anschließend in den Goldmienen Südafrikas gearbeitet und kam mit Hilfe eines Freundes an eine Assistentenstelle an einer Kunstschule in Maputo. Dort hat er einem der Maler assistiert und entdeckte seine eigene künstlerische Richtung. Chissano ist der bekannteste Bildhauer Mosambiks und er ist auch international anerkannt.

Chissano hat vor allem figürlich gearbeitet. Er schuf mehrere „Familienbäume“, bei denen alle Mitglieder einer Sippe ineinander verschlungen dargestellt wurden.

Da er als Künstler über die finanziellen Mittel verfügen konnte, entschied er sich bereits zu Lebzeiten, sein Privathaus zu einem Museum für seine Skulpturen und Bilder des berühmten Malers Malangantana umzufunktionieren. Dies ist in Mosambik etwas Besonderes, denn den meisten Künstlern ist es nicht möglich, eine Ausstellung ihrer Arbeiten zu organisieren, da sie durch ihre Kunst ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Das bedeutet, dass jedes fertiggestellte Objekt sofort verkauft wird.

Heute sind neben diesen Objekten auch Arbeiten seiner ehemaligen Schüler zu sehen. Diese Skulpturen und Bilder sind käuflich zu erwerben.

Anschließend haben wir ein Waisenhaus in der Nähe besucht.

Hierbei handelt es sich um ein ausschließlich staatlich finanziertes Haus. Bis vor einiger Zeit wurde die Einrichtung noch von zwei Organisationen aus Deutschland und der Schweiz unterstützt, die Zusammenarbeit wurde jedoch eingestellt. Diese Tatsache bringt mit sich, dass die finanziellen Mittel für Essen und medizinische Versorgung nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

In dem Haus sind 32 Kinder im Alter von acht bis 12 Jahren untergebracht, für die insgesamt acht Erzieherinnen zuständig sind. In Ausnahmefällen bleiben Kinder auch länger dort, etwa, wenn sie stark geistig behindert sind.

Nach dem zwölften Lebensjahr kommen sie in das Waisenhaus Casa do Gaiato, das von dem portugiesischen Padre Virgilio geleitet wird.

Eine der Erzieherinnen hat uns zwei der Schlafhäuser sowie eine kleine Tischlerei gezeigt. Wir haben einige der Kinder gesehen, die teilweise psychisch krank oder körperlich bzw. geistig behindert sind.

Tagsüber gehen die Kinder in eine angegliederte Schule, machen nachmittags zusammen ihre Hausaufgaben und werden ab einem bestimmten Alter zu Arbeiten im Haushalt herangezogen.

In der Gruppe herrschte große Betroffenheit, nachdem wir die traurigen Augen der Kinder gesehen und die trostlose Atmosphäre an diesem Ort gespürt haben. Wir hatten vorher keine Vorstellung von dem, was uns dort erwarten würde.

In der Einrichtung gibt es für die Kinder nur die Möglichkeit, sich für einige Stunden Spielzeug

auszuleihen, was sie anschließend wieder abgeben müssen. Sie haben keinen persönlichen Besitz, nicht einmal alle hatten ein eigenes Kuscheltier, was sie trösten könnte, wenn sie traurig sind.

Nicht alle der Kinder sind Waisen. Eine Erzieherin hat uns berichtet, dass es Fälle gab, in denen kranke Kinder von ihren Eltern ins Krankenhaus gebracht, jedoch nicht wieder abgeholt wurden. Die Eltern sind spurlos verschwunden.

Bei uns allen kam das Gefühl einer großen Hilflosigkeit auf. Man wollte so gern helfen etwas zu verändern, aber in dieser Situation fühlten wir uns machtlos.

Uns allen wurde einmal mehr bewusst, dass wir als Einzelpersonen etwas tun könnten, indem jeder für sich sein eigenes Konsumverhalten überdenkt und verzichten lernt. In einer solchen Einrichtung wird so vieles benötigt, angefangen bei Schuhen und Kleidung.

Donnerstag 27. Juni

Heute sind wir nach dem Frühstück zu einer Sekundarschule der Uniao Geral gefahren. Da es der zweite Schultag nach den Ferien war, waren nicht so viele Schüler da. Als wir ankamen, wurden wir sehr nett von dem Schuleiter empfangen. Er führte uns durch die Gebäude und zeigte uns den Schulgarten, der von den Angestellten der Schule bewirtschaftet wird. Da auf die Schule ca. 800 Schüler gehen, müssen sie in zwei Schichten unterrichtet werden, weil sonst die Räume nicht ausreichen würden. Von 7.00-12.00 hat die 7te und 8te Klasse Unterricht, danach hat dann die 9te und 10te Klasse bis 18.00 Uhr Unterricht. In einer Klasse sind immer 34-40 Schüler0.

Die Schulen der UGC unterscheiden sich von den staatlichen Schulen dadurch, dass es in den UGC-Schulen nicht möglich ist, die Lehrer zu bestechen, um Abschlüsse zu bekommen. Da die Schüler somit gezwungen sind, zu lernen, ist das Niveau der schulischen Ausbildung höher. Das Schulgeld ist wesentlich geringer als bei vergleichbaren privaten Einrichtungen, für Kinder von Mitgliedern der UGC übernimmt die Kooperative in der Regel die Kosten. So ist es auch für Kinder aus einkommensschwachen Familien, die etwa 95% der Mosambikanischen Gesellschaft ausmachen, möglich, höhere Bildungsabschlüsse zu erreichen.

Freitag 28.Juni 2002-06-30

Da es leider nicht geklappt hatte, dass wir in die Tischlerei gehen konnten, weil es Schwierigkeiten mit der Holzbeschaffung gab, machten wir eine spontane Planänderung.

Im Februar des Jahres 2000 gab es im südlichen Mosambik eine Überschwemmungskatastrophe, die durch wochenlangen Dauerregen verursacht wurde.

Dabei verloren Tausende von Menschen ihre Häuser und mussten evakuiert werden.

Die Mosambikanische Regierung bat durch große Aufrufaktionen um ausländische Hilfe.

Die Uniao Geral verwaltete einen Teil dieser Hilfsgelder und half den Opfern der Flutkatastrophe in der Region Maputos. Sie stellte Materialien, um Häuser zu bauen, es wurden Krankenstationen, Brunnen und Schulen gebaut.

In dieser Siedlung leben heute noch über 500 Familien, die zu den Opfern der Flutkatastrophe gehören.

An diesem Tag besuchten wir als erstes eine Krankenstation südlich der Stadt Maputo.

Dort erzählte man uns, dass die Bereitschaft, der Bevölkerung zu helfen, sehr groß war. Die Menschen, die schon in diesem Gebiet lebten, teilten großzügig ihr Land und unterstützten die Flutopfer außerdem beim Bau der neuen Häuser. Durch den Bau der Krankenstation und der Schule sowie der Installation von Brunnen verbesserte sich auch die Versorgungssituation der hiesigen Dorfbewohner.

Dadurch, dass die Uniao Geral große Mengen von Medikamenten kauft, bekommt sie Preisnachlässe, die sie an die Krankenstationen weiter gibt. Da die Bevölkerung auf dem Land ärmer ist, kosten Krankenbesuche und Medikamente dort erheblich weniger als in der Stadt.

Zu der Krankenstation kommen pro Tag ca. 15- 20 Menschen. Die häufigste Diagnose lautet dann Malaria oder Durchfall.

Danach fuhren wir in eine weiter abgelegene Siedlung, die uns erheblich deprimierter stimmte. Dort gab es außer einer Wasserpumpe, einer spärlichen Schule und den Wohnhütten für abermals ca. 500 Familien nichts.

Die ersten vier Klassen werden in einer Strohhütte unterrichtet. Die Klassen bestehen aus bis zu 60 Schülern, die während des Unterrichts auf dem Steinboden sitzen. Ein Lehrerpult sowie eine Tafel gibt es ebenfalls nicht. Die fünfte und sechste Klasse wird in einem Steingebäude unterrichtet, in dem es Tische, Bänke und eine Tafel gibt.

Der nächste Laden, in dem es etwas zu kaufen gibt, liegt vier Kilometer entfernt. Die nächste Stadt liegt in der entgegengesetzten Richtung 9 Kilometer entfernt. Die in der von uns besuchten Siedlung lebenden ca. 5000 Menschen, leben nicht in Kooperativen und haben kein Land, welches sie bestellen können, züchten keine Tiere, haben keine Arbeit und keine öffentlichen Verkehrsverbindungen oder Autos. Auf unsere Frage, wie die Menschen dort leben können, antwortete man uns: „Die Menschen machen irgendwas und überleben“.

Die Gegend, in der die Siedlung liegt, gleicht einer Steppe in der Wildnis. Selbst schattenspendende Bäume gibt es dort nicht. Die Jahreshöchsttemperaturen liegen in diesem Gebiet bei ca. 45 Grad. Für uns ist es kaum vorstellbar, unter solchen Gegebenheiten zu leben.

Auf dem Rückweg sind wir dann durch eine noch größere Siedlung gefahren, die auch mit Unterstützung durch die UGC aufgebaut wurde. Beeindruckend war für uns, dass die Menschen, denen wir begegneten, immer sehr freundlich waren. Beinahe alle, meistens Kinder, an denen wir mit unserem Jeep vorbei fuhren, winkten uns freundlich zu und riefen Mulungo („Weiße“).

Samstag 29. Juni

Nucleo de Arte

 

Sonntag 30. Juni

Nachdem wir auf einer Party viele nette Menschen aus der Kunstszene Maputos kennen gelernt hatten, waren wir heute mit zwei Künstlern verabredet, mit denen wir zunächst das Endspiel Brasilien-Deutschland auf einer Riesenleinwand in der Francoarena angeschaut haben. Die Stimmung, die dort herrschte ist kaum zu beschreiben, die Mosambikaner waren alle für Brasilien. Anschließend sind wir mit Mandinho und Bucheca nach Hause gefahren, um das Atelier von Bucheca anzuschauen. Begeisterung! (Stichwort: Kunst in Mosambik wird noch detaillierter ausgeführt)

Montag, 01.07.2002

Heute fuhren wir gemeinsam in die Tischlerei, um die mitgebrachten Werkzeuge zu überreichen. Wir breiteten die Werkzeuge wie: Stecheisen, Hobel, Schinder, Zollstöcke, Reißnadeln, Feilen usw. auf einer Werkbank aus. Die Mosambikanischen Tischler waren zu unserer Verwunderung sehr zurückhaltend. Wir konnten leider nicht mit unserem geplanten Projekt, Tische für das Ausbildungszentrum der Uniao Geral, beginnen. Der Chef der Tischlerei sagte uns, dass er erst die Erlaubnis von Padre Prosperino einholen müsse, um Material einzukaufen. Somit verschoben wir das Arbeiten der Tischlergruppe auf Dienstag.

Dienstag, 02.07.2002

Heute war unser Plan, die Gruppe zu teilen. Der eine Teil der Gruppe ging zur Sekundarschule der Uniao Geral und der andere Teil zur Tischlerei.

Die Schulgruppe wurde sehr freundlich vom Schulleiter empfangen und durfte an einer Zeichenstunde in einer achten Klasse teilnehmen. Wir besprachen mit der Lehrerin, wie wir am nächsten Tag mit ihr und den Schülern eine Unterrichtsstunde mit den von uns mitgebrachten Farbmaterialien gestalten könne.

Wir waren überrascht darüber, dass trotz der großen Anzahl der Schüler (35) in diesem kleinen Klassenraum kein Chaos herrschte, wie es in Deutschland wohl der Fall wäre. Die Schüler waren relativ diszipliniert, und es herrschte eine angenehme und freundliche Atmosphäre.

Da die Schüler keine Vorkenntnisse im Umgang mit Farben hatten, waren unsere Vorschläge, dass die Schüler entweder ein Wort wie z.B.: Freundschaft, Liebe, Hass oder ähnliches farblich umsetzen oder eine vorgelesene Geschichte als Bild mit den mitgebrachten Farben darstellen.

Die Lehrerin war einverstanden und wir verabschiedeten uns am Ende der Zeichenstunde, in der die Schüler verschiedene Oberflächenstrukturen mit Bleistift skizzierten.

Die Tischlergruppe war nach dem ersten Tag in der Tischlerei sehr enttäuscht, weil die Erwartungen, die wir an unseren „ersten Arbeitstag“ hatten, nicht erfüllt wurden.

Dies lässt sich darauf zurückführen, dass einige organisatorische Dinge im Vorfeld nicht geklärt wurden, z.B., dass immer noch kein Holz bestellt worden war.

Außerdem hatten wir die ganze Zeit das Gefühl, dass die Beschäftigten, und insbesondere der Meister, überhaupt keine Lust hatten, mit uns zusammen zu arbeiten. Alle waren sehr distanziert und verschlossen. Ein Grund, der dieses Verhalten erklären könnte, wäre, dass die Angestellten der Tischlerei keine Mitglieder der Uniao Geral sind und vielleicht deswegen weniger motiviert waren.

Mittwoch, 03.07.2002

Nachdem wir um acht Uhr gefrühstückt hatten, ist unsere „Schulgruppe“ zur Sekundarschule der Uniao Geral gefahren. Wir wurden wieder sehr freundlich vom Schulleiter und der Sekretärin begrüßt. Wir zeigten den beiden unsere mitgebrachten Mal- und Zeichenmaterialien und die Freude war groß, weil weder der Staat, die Kooperative noch die Eltern das Geld für solche Dinge haben.

Anschließend gingen wir in „unsere“ Klasse und warteten gemeinsam mit den Schülern auf die zuständige Lehrerin. Nachdem die Lehrerin eintraf, erteilte sie den Schülern gleich den Arbeitsauftrag, indem sie eine Geschichte vorlas und die Schüler aufforderte dazu ein Bild zu malen. Einigen Schülern schien die Geschichte nicht so gut zu gefallen, worauf wir den Vorschlag machten, dass sie doch aussuchen sollten, mit welcher Aufgabe sie beginnen wollen. Die einzelnen Wörter für die zweite Aufgabe standen an der Tafel. Die Lehrerin gab den Schülern den Tipp, dass sie einzelne Aspekte der Geschichte mit Bleistift vorzeichnen könnten, um sie dann bunt auszumalen. Außerdem konnten die Schüler wählen, welche Farben/Materialien sie benutzen wollten.

Zunächst waren die Schüler etwas unsicher und befangen, die angebotenen Dinge zu benutzen.

Donnerstag, 04.07.2002

Morgens Organisation Papiere /Reparatur Auto

Frustrierendes „Arbeiten“ in der Tischlerei

Abends Konzert /Africa Bar

Freitag, 05.07.2002

An diesem Morgen fuhren Rainer, Lars, Marc und Chris in die Tischlerei, um dem Ziel, gemeinsam mit den Tischlern aus Mosambik ein Arbeitsprojekt zu gestalten, näher zu kommen. Wir fingen damit an, einen Aufriss zu machen, was schon für ein wenig Aufsehen und Neugierde bei den Mosambikanern führte. Die hiesigen Tischler hatten schon 2 der geplanten Tische fertig gebaut, allerdings nach einer eher wackligen Konstruktion. Während der Arbeit zeigten sich die Mosambikaner sehr interessiert und arbeiteten auch mit uns zusammen. Für uns war das Tischlern dort nicht vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland gelernt und gemacht haben. Da es dort keine oder nur lebensgefährliche Maschinen gibt, wird dort vieles mit Handwerkzeugen gemacht. Jedes Mal, wenn eine Maschine eingeschaltet wurde, sind wir nach draußen gegangen. Um einen Eindruck zu vermitteln, wie es in der Tischlerei war, hier eine kleine Aufzählung:

•  Die Arbeitsschuhe bestanden aus Badelatschen

•  Es gibt keine Ohrenschützer

•  Es gibt keine Schutzbrillen

•  Es gibt keine Staubabsaugung

•  Es gibt keine Staubmasken

•  Die 2 Sägen haben keine Spaltkeile

•  Es gibt nur Kronenfräser ( in Deutschland verboten)

•  Die Sägeblätter hatten Risse, was beim Sägen dazu führen kann, dass das Sägeblatt bricht und in unzähligen Stücken durch den Raum geschossen wird.

Montag 08.07.2002

An diesem Morgen fuhren wir ein letztes Mal in die Tischlerei, um die Tische fertig zu bauen und uns zu verabschieden. Die „einzige“ Arbeit, die uns noch bevorstand, war, die Zargen zu verleimen und die Platten zu verschrauben. Die Arbeit war jedoch sehr mühselig, da uns nur sehr wenige Zwingen zum Verleimen zur Verfügung standen. Außerdem war es sehr schwierig, passende Verleimzulagen herzustellen, da es sowohl an geeignetem Material als auch an der für uns gewohnten maschinellen Ausstattung fehlte.

Die Mosambikaner machten bei dem Anblick unseres Zwingengewirrs skeptische Gesichter und zogen sich wieder in ihre Ecke zurück,. Sie verwendeten meist gar keine Zwingen, sondern nagelten die Leimverbindungen einfach.

Wir brauchten recht lange, aber das Ergebnis konnte sich nach einem kleinen Durcheinander wirklich sehen lassen. Wir machten dann nach Beendigung unserer Arbeit von den Tischen und allen Mitarbeitern Fotos. In Erinnerung wird uns sicherlich bleiben, dass die Arbeit sehr mühselig ist und nicht mit den von uns gewohnten Bedingungen in Deutschland zu vergleichen ist, da der Zustand der Maschinen ein hohes Gefahrenpotential darstellt. Das Sägeblatt für Grobzuschnitte war beinahe bis zur Mitte eingerissen, so dass wir uns entschlossen, aus unserer Kasse ein neues Sägeblatt zu kaufen und der UGC zu spenden.

Währendessen führten Frederike und Rainer im Büro der UGC mit Donha Margarida und Padre Prosperino ein Auswertungsgespräch über den Ablauf und die Ergebnisse unseres Aufenthaltes. Prosperino schätzte unseren Besuch in Hinblick auf die weitere Entwicklung der Partnerschaft zwischen der G6 und der UGC als sehr gelungen ein. Er sagte, dass es für die UGC eine ganz neue Erfahrung war, eine Reisegruppe mit so jungen TeilnehmerInnen zu Gast zu haben. Die Wünsche und Erwartungen dieser jungen Leute hätten für die UGC dazu geführt, vom bisherigen Standartprogramm weitestgehend abzuweichen, und der Reisegruppe einen möglichst großen Spielraum zur selbständigen Erkundung Maputos einzuräumen. Unter dem Aspekt der Gewährleistung der Sicherheit der TeilnehmerInnen war dies für die UGC ein wichtiger Lernprozess. Zudem schätzte er die erfolgreiche Durchführung der Projektarbeiten an der Sekundarschule und in der Betriebstischlerei als wichtig für die weitere Gestaltung der Partnerschaft ein. In der weiteren Diskussion wurden seitens der UGC folgende Wünsche in Bezug auf die weitere Zusammenarbeit geäußert:

•  Einladung an die G6, eine weitere Partnerschaftsreise im kommenden Jahr durch zu führen, möglichst unter Beteiligung von mehr KollegInnen

•  Entsendung von UGC-Mitarbeitern zur fachlichen Fortbildung nach Deutschland

•  Intensivierung der fachlichen Zusammenarbeit in Fragen der beruflichen Bildung

Zudem erklärten Donha Margarida und Padre Prosperino ihre Zustimmung, dass im Rahmen des ASA-Studienprogramms im kommenden Jahr zwei junge Facharbeiter aus Deutschland in Werkstätten der UGC mitarbeiten.

Wir bedankten uns herzlich für die bei der UGC erfahrende Gastfreundschaft und brachten die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich aus unserem Aufenthalt eine langfristige und fruchtbare Zusammenarbeit für beide Seiten ergibt.

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