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Bericht der Projektleitung als PDF-Datei zum Download
Zusammengefasster Reisebericht einzelner TeilnehmerInnen als PDF-Datei
Gesamtbericht Partnerschaftsreise 2006 1 Die
große Reise - Flug und Ankunft in MaputoDie
große Reise
2 Das Erziehungsministerium
3 Escola
Profissional und Escola Secundária, Moamba
4 Escola Profissional und Escola Secundária, Moamba
2.Tag
5 Besuch des Centro de Formação Profissional, Machava
6 Besuch der deutschen
Botschaft
7 Makonde-Schnitzer
und Werkzeugmarkt, Maputo
8 Ausflug zu Rafaels Machamba, Chiboene
9 Zum ersten Mal allein unterwegs
10 Besuch bei Padre Vincente Beringuer in Ressano Garcia
11 Gespräch über Aids und Reinlichkeit
12 Makondeschnitzer
13 Fahrt nach Inhambane
14 Escola Sekundaria de Homoine
15 Wochenende am Strand - Praia de Barra 1
16
Wochenende am Strand - Praia de Barra 2
17 Massinga 1
18 Massinga 2 Bau eines Tischkickers
19 Massinga 3 Bau eines Tischkickers
20 Fahrt nach Maputo
21 Fahrt ins Swaziland
22 Swaziland
23 Swaziland
24 Fahrt zurück nach Maputo
25 Allein durch Maputo
26 Maputo Tag mit Pannen
27 Maputo
28 Maputo- Praktikum in der Pandora
29 Maputo- letzter Tag
30 Abreise
1-2. Tag
Die große Reise - Flug und Ankunft
in Maputo
Voller Aufregung und Neugierde auf das, was uns in Mosambik erwarten
wird, begibt sich unsere forsche Schreinergruppe auf den großen
Flug gen Afrika. Dabei haben wir unseren ersten interkulturellen Kontakt
bereits nach achtstündigem Flug bei unserer ersten Zwischenlandung
in Dubai in den Vereinigten Emiraten. Der Flughafen von Dubai, „teuer
aber hässlich“, wie Felix ihn treffend beschreibt, prunkt
mit Palmen und Gold und mit Rollbändern, auf denen weißgewändige
Kamelscheiche und bis auf die Augenschlitze verschleierte Frauen an uns
vorbeischweben, als wären wir in einem Kostümfilm aus tausendundeiner
Nacht gelandet. Wir versuchen uns mit Augenkontakten der so fremd und
geheimnisvoll wirkenden Frauen, allerdings nicht ohne eine Portion gebührlichen
Respekts: „Die haben so unheimlich schöne Augen“, meint
Christoph, „aber ich gucke dann immer ganz schnell weg, weil ich
Angst vor dem Mann habe“. Wir überlegen uns, wie es wohl für
uns wäre, wie so ein Scheich mehrere Ehefrauen bzw. Ehemänner
zu haben. „Parallel vielleicht“, schlägt Christine H.
vor, „einen für jeden Anlass“. Bei einem zweiten Zwischenstopp
in Johannesburg geht es sehr entspannt zu und wir genießen unseren
ersten Kaffe auf afrikanischem Boden. Genau 24 Stunden nach unserem Abflug
aus Hamburg sehen wir aus dem Flugzeug die weißen Wolkenkratzer
an der Bucht von Maputo vor uns aufragen und betreten wenige Minuten
später endlich den heißersehnten mosambikanischen Boden. Uns
empfängt ein warmer Wind und ein schöner intensiver Geruch,
den wir nicht einordnen können. „Das ist Holzkohle, mit der
die Leute ihre Kartoffelfeuer machen“, meint Rainer mit einem glücklichen
Grinsen. „Das ist der typische Duft von Mosambik.“ Im Flughafengebäude
begrüßt uns Eugenio, der Vertreter des mosambikanischen Bildungsministeriums,
der uns während unseres Aufenthaltes zur Seite steht, und den leicht
beunruhigten Clemens, dessen Gepäck nicht in Maputo angekommen ist,
mit seiner ruhigen und überzeugenden Art sofort dazu bringt, sich
komplett zu entspannen und darauf zu vertrauen, dass sein Gepäck
schon noch demnächst nachkommen wird. Wir werden mit einem weißen
Bus vom Erziehungsministerium in unser neues Zuhause gefahren, einer
InternatsSchule für Grundschullehrer in Matola, einer kleinen Stadt
in der Nähe von Maputo.
Auf der Busfahrt ziehen wie in einem noch
unwirklichen Film Eindrücke an uns vorbei, die wir noch gar nicht
richtig verarbeiten können, wir fahren durch eine uns unbekannte
Welt, in der, so scheint es, alles anders ist als wir es von zu Hause
kennen: kleine wuselige Straßengeschäfte am Wegesrand, an
denen Dinge verkauft werden, von denen unklar ist, wozu sie dienen, und
an denen diese Scheine mit den verwirrend vielen Nullen hin und hergetauscht
werden, stolze schöne Frauen in bunten Gewändern, die voller
Eleganz Krüge und Wasserkanister auf ihrem Kopf balancieren, Hühner
auf der lehmigen Strasse. Von Trommelrhythmen angezogen, verirren wir
uns auf dem Schulgelände auf ein Pfadfinderfestival, bei dem Kinder
in bunten Tanztrachten anderen Kindern in schilfgrüner PfadfinderUniform
Tänze und Gesänge vorführen, und dabei ist es schwer,
sich als die einzigen „Bleichgesichter“ unter die Menge zu
mischen, ohne aufzufallen. Noch leicht verwirrt und erschöpft fallen
wir an diesem Abend in einen tiefen seligen Schlummer.

3. Tag
Das Erziehungsministerium
Zu Elvis und Marabenta, einer Maputo Regional Musik, sehen wir vom Straßenrand
aus den mosambikanischen Verkehr auf dem Highway nach Maputo an uns vorbeiziehen,
da unser kleiner weißer Bus auf dem Weg ins Erziehungsministerium
einer „Benzinpanne“ erliegt. Währenddessen lassen drei
kleine Jungs nichts unversucht, um die Aufmerksamkeit der knallblonden
Christine C. auf sich zu ziehen, darunter Tanzeinlagen und Kunststückchen.
Am Eingang des Ministerio de Educacao prangt in gold das Nationalwappen,
das noch aus sozialistischeren Zeiten stammt, darauf unter einem Stern
eine Kalaschnikow, eine Art Handpflug und ein Buch, die Kampf, Nahrung
und Bildung symbolisieren. Wir werden vom pädagogischen Direktor,
Senor Cremildo, in seinem Büro in Empfang genommen, dabei sind wir
noch leicht verwirrt über die Funktionsweise des Fahrstuhls, dessen
Geheimnisse wohl nur die Staatsbeamten kennen. (Zum Beispiel muss man,
um in den zehnten Stock zu gelangen, in den elften fahren und ein Stück
die Treppe runtergehen.) Rainer stellt die Arbeit an der G6 vor und unterstreicht
den Schwerpunkt der eigenständigen Arbeit der Schüler, wie
er sich im Entwurf der eigenen Werkzeuge gezeigt hat. Bei der Vorstellung
der einzelnen Mitglieder unserer Gruppe ist der Direktor sichtlich überrascht,
dass eine Frau, nämlich Annika, eine Tischlerin sein soll. Cremildo
dringt auf die Wichtigkeit der Zusammenarbeit und hebt hervor, dass ja
gerade Deutschland sich in Zukunft vornehmlich an der Förderung
der Entwicklung beteiligen will. Dabei geht es bei der Bildung in Mosambik
vor allem um die Umsetzung des verabschiedeten Strategie-Papiers zur
Reform der Bildung, bei der sich Mosambik großen Herausforderungen
stellen müsse, denn es sei in Anbetracht des spärlichen Budgets „voller
Träume und großer Ziele“. Das Hauptproblem liegt laut
Cremildo in der Theorielastigkeit des Unterrichts der Sekundarstufe (d.h.
der 8. – 10. Klasse), in die zukünftig eine praktisch ausgerichtete
Berufsvorbereitung eingebaut werden soll. Partnerschaften mit ausländischen
Schulen und der Austausch von Erfahrungen, so wie sie von der G6 angestrebt
werden, seien daher sehr willkommen, und mehrmals pocht er auf sein Motto: „Es
gibt keine große und keine kleine Zusammenarbeit, alles ist wichtig.“ Am
Ende des Gesprächs drückt er uns sein Beileid dazu aus, dass
Deutschland die WM nicht gewonnen hat. Rainer wird daraufhin, noch im
Büro des Direktors, von zwei Frauen vom Stadtradio in Beschlag genommen,
die ihn in einem Interview über uns und unser Projekt ausfragen.
Am Nachmittag besuchen wir das sog. Provinzial- Bildungs-Department von
Maputo in Matola (Departamento Provincial de Educacao y Cultura de Maputo),
wobei uns im Wesentlichen, nur etwas detaillierter, die Aussagen des
Direktors bestätigt werden. Das Hauptproblem der Umsetzung der Bildungspläne
in die Praxis seien die fehlende Ausbildung der Lehrer, die nur den üblichen
Fächerunterricht kennen, auf praktischem Gebiet, und der eklatante
Mangel an Material. In beiden Ländern, so ein Fazit des Nachmittags,
sowohl Deutschland als auch Mosambik, läuft ein ähnlicher Prozess
ab, wenn auch in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung, ein Prozess,
in dem man sich darum bemüht, Theorie und Praxis zusammenzuführen,
und die Rolle des Lehrers mehr als „Orientador“ zu verstehen,
also als eine Orientierungshilfe, die unterstützend in den Hintergrund
tritt, als jemand, der alles vorgibt.
Am Abend treffen wir im Nucleo de Arte auf eine Handvoll mosambikanischer
Künstler, die uns von sich erzählen und uns ihre Arbeit zeigen.
Unter ihnen Divo, der in der DDR Kunst studiert hat und perfekt deutsch
spricht. Dass drei Frauen von uns (ungefähr) Christine heißen,
stößt auf allgemeines Amüsement, und Christine H. macht
am Trinkkiosk um die Ecke die gleiche Erfahrung wie Annika, als sie einem
dickbäuchigen Senor erzählt, sie sei „carpentera“,
und dieser dreimal nachfragt, ob er recht gehört habe. Wir dürfen
die Künstler leider nicht im Bus mitnehmen, was Josevo, der Fahrer,
begründet mit: „Ich habe nur die Erlaubnis, euch zu Tode zu
fahren.“ Voll von all den Eindrücken des Tages und bisher
ohne viel Zeit zum Verschnaufen fasst Christine C., die obendrein den
magischen Worten eines Poeten verfiel, für sich zusammen: „Ich
steh noch unter Schock glaub ich, ich versteh gar nicht, was passiert.“

4. Tag
Escola Profissional und Escola Secundária,
Moamba
Der Tag beginnt sehr früh, so dass wir um 8³° schon die
Escola de Industrial besuchen. Es werden 3000 Schüler in drei Schichten
zu Mechanikern, Chemikern und Elektrikern ausgebildet. In einer Klasse
müssen sich 46 Schüler ihr Werkzeug oft teilen. Da es jedes
Jahr zu viele Bewerber gibt wurde ein theoretischer Test eingeführt.
Falls zu viele Bewerber diesen Test bestehen, werden die jüngeren
Bewerber bevorzugt. Die Chance auf eine Berufsausbildung sinkt somit
von Jahr zu Jahr für abgelehnte Bewerber.
Die materielle Ausstattung der Schule ist so schlecht, dass Lehrer dazu
angehalten werden Materialien von zu Hause mitzubringen. Was zum Beispiel
in einer Automechanikerklasse zu beobachten war, in der 5 Schüler
einen Motor offensichtlich planlos demontierten und der Rest der Klasse
drehte Däumchen. Der Ausbildungsbereich Chemie wird von einem Energiekonzern
unterstützt, wodurch die Schüler spezifisch auf Erdölverarbeitung
vorbereitet werden. Die Jobperspektiven dieser Schüler sind dadurch
stark beschränkt!
Bei einem abschließenden Gespräch mit den Schülern zeigten
sich die sehr engagiert und interessiert. Wir waren traurig, dass so
viel Potential in dieser Schule nicht gefördert werden kann.
Um 14°° Uhr besuchten wir das Imap, die Schule die uns für
die ersten zwei Wochen Internatsräumlichkeiten zur Verfügung
stellt. Hier werden Lehrer für die Primarschule ausgebildet. Nach
der Sekundarschule dauert die Ausbildung zwei Jahre. Somit besteht die
Möglichkeit bereits mit 18 den Abschluss zu bekommen und als Grundschullehrer
zu arbeiten.
Nach der Ansprache des Direktors und der Projektvorstellung durch Rainer
entwickelte sich ein intensives Gespräch zwischen den Schülern
der beiden Nationen. Austausch auf Augenhöhe war hier möglich.
Escola Profissional und Escola Secundária, Moamba 
5. Tag
Escola Profissional und Escola Secundária, Moamba
Genau genommen fing unser Tag mit Donner, Blitz und Regen an. In der
Nacht gab es ein heftiges afrikanisches Gewitter. Am Morgen war es jedoch
vorbei und die Sonne schien zu unserem Frühstück.
Auf 9.00 Uhr war die Abfahrt angesetzt. Der Bus vom Ministerium mit dem „International
Driver“ und Eugenio kam jedoch erst 1,5 Stunden später. Der
Grund soll ein Zementlaster gewesen sein, der die ganze Straße
blockiert hatte.
Eine wenig verspätet ging es also los nach Moamba, einer Kleinstadt
südlich von Maputo. Dort wollten wir die zwei Schulen besichtigen:
die Escola Professional geleitet von einem katholischen Orden und die
Escola Sekundaria. Um dies bewältigen zu können, wollten wir
uns aufteilen. Wohl berufsbedingt gestaltete sich die Aufteilung schwierig,
da alle die Berufschule sehen wollten. So legten wir die Termine nacheinander.
Begrüßt wurden wir vom Pater Adolfo, der uns netter Weise
anbot, die Führung auf englisch durchzuführen.
Die Schule wurde bereits 1930 vom Orden der Salesianos Dom Brosco gegründet.
1993 erkannte die Regierung die Schule offiziell an und 2003 wurde sie
im Rahmen der Berufsschulreform in Mosambik zu Escola Professional umgestaltet.
Ausgebildet werden die 239 Schüler in kleinen Klassen in den Fachgebieten
Elektrotechnik und Metallbau und seit 2003 auch wieder als Tischler.
Der Start des landwirtschaftlichen Zweiges ist für nächstes
Jahr geplant.
In Zuge der Umgestaltung wird gerade ein neues Internat erbaut, um mehr
Schüler aufnehmen zu können. Alle Schüler, externe sowie
Internatsschüler, bekommen in der angeschlossenen Cafeteria drei
feste, geregelte Mahlzeiten am Tag. Daneben organisiert die Leitung ein
Kultur- und Sportprogramm.
Als erstes zeigte uns der Pater die Werkstatt für die Elektriker.
Sofort fiel uns der Unterschied zur staatlichen Escola Industrial auf.
Für jeden Schüler gibt es einen Arbeitsplatz, alles wirkte
funktionstüchtig, vollständig und sauber. Der Tutor zeigte
uns stolz seine Werkzeugausgabe. An einem Brett hingen Zangen, Schraubendreher… dabei
war für jedes einzelne Werkzeug der Platz aufgemalt. Es schien alles
in gutem Zustand da zu sein. Uns wurde das Prinzip erklärt, nachdem
die Werkzeugvergabe funktioniert. Jeder Schüler geht morgens zur
Werkzeugausgabe und erhält gegen eine Unterschrift das gewünschte
Werkzeug. Am Abend wird es zurückgebracht und ebenfalls gegengezeichnet.
Zuständig für die Ausgabe ist der Lehrer oder ein Schüler,
der für ein Semester ausgewählt wird. Neben dieser täglichen
Kontrolle gibt es einen Werkzeugverantwortlichen für die ganze Schule,
der den Bestand ebenfalls hin und wieder kontrolliert. Letztendlich hält
sogar der Pater sein Auge auf die Ausstattung. Dies zwar aufwendige System
zeigt jedoch gute Erfolge.
In der Werkstatt waren gerade keine Schüler anwesend, denn sie hatten
gerade Theorieunterricht. Dieser theoretische Teil der Ausbildung macht
25 % aus und arbeitet direkt auf den praktischen Teil zu.

Weiter kamen wir zu der Metallbauwerkstatt, wo die Schüler gerade
damit alleine oder in Gruppen beschäftigt waren unterschiedliche
Sachen zu bauen. Gezeigt wurde uns ein Maissiebmaschine, Hühnerfutterglocken,
Stühle und Formen zum Steine gießen.
Diese Arbeiten werden auf Anfrage eines Kunden erbaut und verkauft.
Im hinteren Teil der Werkstatt giibt es drei Schutzgasschweißstationen,
an denen die Schüler in einer größeren Gruppe ein Fenster
mit Vergitterung zusammenschweißten. Wir fragten nach dem Ablauf
eines solchen Auftrags: Der Kunde kommt mit den Maßen und Gestaltungsideen.
Daraufhin setzen sich die Schüler und der Lehrer zusammen, entwerfen
zusammen das Fenster, fertigen eine genaue Zeichnung an und erstellen
eine genaue Kosten- und Arbeitsablaufplanung!
In der ersten Werkstatt erwarteten uns 7 sechs Jahre alte Drehbänke,
wovon eine sogar CNC gesteuert war. Schüler gab es dafür
nicht, denn die Kurse wurden wegen fehlender Nachfrage auf dem mosambikanischen
Arbeitsmarkt eingestellt.
In der Tischlerwerkstatt war jedoch gerade ein reges Treiben. Es
wurden gerade Türen, Betten und Regale für das neue Internat aus den
einheimischen Hölzern Chanfuta und Umbila und aus MDF (!) hergestellt.
Fenster werden in der Metallbauwerkstatt angefertigt.
Die Schüler haben alles sauber nach einer Skizze angerissen und
selbstständig bearbeitet. Zur Unterstützung ging der „Lehrer“ herum,
erklärte ruhig und kontrollierte Maße. Der Lehrer war ein
ca. 20jähriger Mosambikaner, der gerade seine Ausbildung zum
Lehrer macht und in dieser Tischlerei auch gelernt hatte. Er war
zur Aushilfe
da, da der eigentliche Lehrer gerade krank war.
Die Ausstattung der Tischlerei war gut. Es gab die üblichen Maschinen
wie Abrichte, Dickenhobel, Tischkreissäge, Fräse, Langlochbohrmaschine,….
Und alles in relativ guten Zustand. Die Jugendlichen trugen Arbeitskleidung,
Schutzmasken und teilweise sogar Sicherheitsstiefel.
Auch hier gab es eine Werkzeugausgabe. Einige von uns wurden vor
kleine Tischlerfähigkeitsproben gestellt ( Bau den Stanleyhobel
auseinander und wieder zusammen(bestanden)).
Unser mitgebrachte Schnellspannhobel wurde eingehend betrachtet und
anschließend
ausgiebig getestet. Wir tauschten uns etwa eine halbe Stunde auf
verschiedensten Gebieten aus, denn die Jugendlichen waren sehr interessiert.
Abschließend kann man sagen, dass uns diese Schule sehr gut gefallen
hat. Alles schien organisatorisch gut zu laufen und die Lehrlinge bekommen
eine umfassende und gute Ausbildung. Es sei erwähnt, dass 50 % aller
Absolventen eine Beschäftigung in ihrem Beruf finden!
Nach einem kleinen Snack bestehend aus Brötchen mit flüssigen
Ei oder Rindfleisch im Bahnhofsrestaurant der Stadt ging´s
weiter zur Sekundarschule.
Wir wurden von der Direktorin im Schulbüro empfangen, die uns trocken
erzählte, sie habe uns bereits um 8.00 Uhr mit einem Frühstück
erwartet. Naja, so sei´s gewesen, aber nun sei alles anders und
sie müsse jetzt schnell unseren Besuch neu organisieren. In
der Zwischenzeit wurden wir ins Lehrerzimmer gebracht, wo uns einige
Lehrer
Fragen stellen sollten.
Schnell wurde uns bewusst, dass hier hohe Erwartungen an uns bestanden.
Sie stellten uns Fragen wie wir uns eine Partnerschaft vorstellen
würden
und wonach wir eine Schule aussuchen würden. Da die Sekundarschule
jedoch keinerlei praktische Anteile hält, war von uns schon im vorhinein
eine Partnerschaft nicht angedacht. So entstand eine unangenehme Situation.
Betreten wurden wir in die Aula der Schule gebracht, wo uns etwa 150
Schüler empfingen. Wir wurden vorn an einen Tisch gesetzt und uns
wurde drei Tänze vorgeführt. Anschließend wurden von
der Schulsprecherin, Eugenio, Rainer und der Direktorin kleine Ansprachen
gehalten. Damit war aber auch schon der offizielle Teil der Besichtigung
vorbei und wir bekamen die Küche, Ställe und schließlich
auch die kleine Werkstatt ohne Werkzeug zu sehen. Vor der Werkstatt stapelten
sich Bänke, wirr auf einen Haufen geworfen. Nebenbei standen noch
weiter kaputte Schulbänke. Die Direktorin erzählte uns davon,
dass sie bereits Nägel und Leim gekauft hatten aber nun kein Geld
mehr für einen Hammer hätten. Zudem fehle das Wissen, wie man
an die Reparaturen herangehen könne. Es entstand dabei die Idee,
dass wir an einem anderen Tag noch mal in diese Schule mit Werkzeug gehen
könnten, um dort mit einigen Schülern Bänke zu reparieren.
Auf den Feldern neben der Schule war gerade eine Klasse dabei Staffellauf
zu machen. Spontan entschloss sich Clemens dort mitzumachen. Er durfte
gleich mitmachen, leider aber verlor die Mannschaft.

Wir wurden aber auch gleich weitergeleitet um die Schulbibliothek und
den Computerraum zu besichtigen. Im Computerraum standen 12 anscheinen
auch funktionstüchtige PCs. Um die großen Klassen (ca. 45
Schüler) in Microsoft Office unterrichten zu können wird ein
Teil der Klasse nach Hause geschickt und die anderen teilen sich jeweils
zu zweit einen Rechner.
Am Ende unserer Führung bekamen wir nochmals im Schulbüro Kaffe
und Gebäck.
Neugierig fragten wir nach der Bedeutung der Statistiken an der Pinwand.
Jeder Lehrer, jeder Fachbereich und jede Klasse wird dort nach den Noten
der Prüfungen bewertet. So kann ein Vergleich und eine Auswertung
statt finden. Ein Großteil der Gruppe fand die Idee einer solch
offenen Auswertung sehr gut. Die Prüfungen werden, ähnlich
unserem Zentralabitur, von der jeweiligen Fachschaft erstellt, so dass
alle Schüler gleiche Prüfungen bekommen und somit keine Verfälschung
der Benotung zustande kommen kann. Diese Auswertung wird bis auf Distriktebene
fortgeführt.
Es wurden noch weitere Fragen von beiden Seiten gestellt und sich angeregt
ausgetauscht, bis wir nach Matola zurückfuhren.
Dort erwartete uns ein wirklich sehr leckeres Essen: Es gab Fisch in
einer CocosErdnusssoße mit Karottenreis. Genial. Dazu gab es noch
einmal marinierten Fisch mit einer EiSoße. Ebenfalls sehr lecker.
6. Tag
Besuch des Centro de Formação Profissional,
Machava
Heute haben wir einen Besuch im Ausbildungszentrum in Machava geplant.
Das Ausbildungszentrum ist eine Einrichtung des Arbeitsministeriums und
nicht wie die anderen Einrichtungen, die wir bisher besucht haben, vom
Erziehungsministerium. Wir sind dort mit Chizo verabredet, der uns als
erstes zu seinem Chef bringt, der uns offiziell willkommen heißt
und uns bittet uns in der Einrichtung wie zu hause zu fühlen und
uns frei zu bewegen.
Michael stellt kurz unser Projekt vor und erläutert, was wir uns
von dem Besuch der Einrichtung versprechen. Der Chef ist sehr angetan
und zeigt ein reges Interesse an unserem Projekt. Wir erfahren, dass
die Lehrgänge hier 6 Monate dauern und rein berufsorientiert sind,
das heißt es findet kein allgemein bildender Unterricht statt.
Nach dem Lehrgang hat man somit nicht die Möglichkeit auf eine weiterführende
Schule zu gehen, wie es bei einer dreijährigen Ausbildung wäre.
Außerdem übernimmt das Centro de emprego Aufgaben, die mit
unserem Arbeitsamt vergleichbar sind. Es wird angestrebt alle Lehrgangsteilnehmer
nach dem Lehrgang in einem Praktikum unterzubringen, dem im besten Fall
eine Festanstellung folgt. Auch Weiterbildungen gehören zur Aufgabe
der Einrichtung. Nach dem Grundkurs sollte eine Zeit als Arbeiter folgen,
danach ist es möglich Spezialisierungskurse zu belegen und sich
so fortzubilden.
Ausbildung zum Autoelektriker:
In der Werkstatt fällt einem als erstes das vereinfachte Modell
eines Autos auf, an dem, wie uns erklärt wird, die Lehrgangsteilnehmer
nach und nach die Elektrik eines Wagens nachbauen. An dem Modell kann
man sehr gut erkennen wo die Kabel geführt sind und da kein Motor
oder etwas anderes stört, hat man einen guten Blick auf die Elektrik.
Es fällt vielen auf, dass die Werkstatt sehr gut ausgerüstet
ist. Die Geräte wirken neu und relativ zeitgemäß.
Ausbildung zum Kälte- und Klimatechniker:
Wir treffen die Klasse in ihrem Klassenzimmer an, wo der Theorieunterricht
statt findet, bis es wieder etwas zu tun gibt. Auch werden hier Themen
durchgenommen, die man dann bei der folgenden Arbeit benötigt.
Die Klassen im Centro de emprego scheinen sehr klein zu sein, was uns
schwer beeindruckt. Der Ausbilder vertritt die Meinung, dass es so
leichter ist Unterricht zu machen. Einer der Lehrgangsteilnehmer meldet
sich zu Wort und berichtet, dass er sich sehr wohl fühlt und mit
der Ausbildung, wie auch mit dem Ausbilder, sehr zufrieden ist. Die
Lehrgangsteilnehmer reagieren allerdings etwas ungläubig, als
se erfahren, dass in der Gruppe 3 Tischlerinnen vertreten sind. Sie
interessieren sich dafür, wie sie sich fühlen, da man hier
ja keine Tischlerinnen antrifft und oft mit Unglauben darauf reagiert
wird, dass sie Tischlerinnen sein. Es wird ihnen erklärt, dass
auch in Deutschland eine Frau im Handwerk noch nicht normal und eher
die Ausnahme ist und man daher schon öfter damit konfrontiert
wird.
Ausbildung zum Tischler:
Die Lehrgangsteilnehmer lernen an den Maschinen mit ihnen umzugehen und
fertigen Möbel für den Verkauf. Der Verkauf findet erst im
Centro de emprego statt, erst danach werden die Möbel auch außerhalb
der Einrichtung angeboten. Ab und zu fertigen sie auch auf Anfrage.
Außerdem werden die Maschinen an Tischler verliehen für
2 Metikais in der Stunde.
Wenn man durch die Werkstatt durch geht kommt man in einen großen
Raum in dem Werkbänke und Schulbänke stehen. Hier werden die
Schüler in Mathe, Zeichnen, Technologe, Werkstoffkunde und Arbeitssicherheit
unterrichtet. Gar nicht mal so anders als bei uns denken viele.
Wir unterhalten uns mit dem Meister der Werkstatt und er erzählt
uns, dass er 4 Jahre in der Schule gelernt hat, die wir gestern besucht
hatten. Dort hat er in seiner Lehrzeit einen Satz Werkzeug gebaut, mit
dem er anschließend arbeiten konnte. Er freut sich sehr über
unseren Besuch und hätte gern noch etwas länger mit uns gesprochen,
aber wir werden von Chizo schon wieder weiter geführt.
Im Raum hinter dem Klassenzimmer befindet sich ein Lager, in dem die
produzierten Möbel gelagert werden. Wir erhalten den Eindruck, dass
alle Tischler in Mosambik mit den gleichen Bauplänen arbeiten…
Aus dem Lager heraus kommt man in einen Hinterhof, in dem eine Menge
Holz lagert. Wir können kaum glauben, dass es Schwierigkeiten gibt
Holz zu bekommen.
Wir werden von Chizo in die Mensa geführt, dort gibt es für
alle noch eine Tasse Kaffee und es wird noch eine Weile geredet. Michael
bespricht die Möglichkeit für einige von uns ein Praktikum
in der Werkstatt der Einrichtung und in der Möbelfabrik Pandora
zu machen. Die Gespräche verlaufen gut und es werden Plätze
für 4 Teilnehmer zugesagt.
Wir erzählten Chizo, dass wir uns über den guten Standart der
Einrichtung freuen, obwohl sie ohne europäischen Kooperationspartner
läuft. Der Grund dafür bleibt uns allerdings verschlossen.
Wir erfahren nur, dass die Kurse 600 Metikais pro Person kosten. Außerdem
erklärt Chizo uns, dass die Einrichtungen des Erziehungsministeriums
viel mit der DDR zusammen gearbeitet hat. Nach der Wiedervereinigung
fehlten ihnen die Sponsoren, aber es gibt wohl von der Weltbank Projekte,
die darauf zielen diese Einrichtungen neu auszustatten. Auch einige wenige
Einrichtungen des Arbeitsministeriums stehen hier auf der Liste.
Wir bedanken uns für das Gespräch und die nette Führung
und machen uns auf den weg zum nächsten Termin. 
Besuch in der deutschen Botschaft
An der deutschen Botschaft angekommen werden wir erst einzeln durch
die Sicherheitskontrolle gewunken, bis Frau Szedletzky kommt und
uns herein
bittet. Wir werden vom Botschafter empfangen und er heißt uns
herzlich in Mosambik willkommen und hofft, dass uns das Land gefällt.
Da er leider nicht soviel Zeit hat, verabschiedet er sich recht schnell
wieder und Frau Szedletzky kümmert sich weiter um uns.
Als erstes erkundigt sie sich nach unseren Plänen und Clemens stellt
ihr unser Projekt vor. Sie ist sehr angetan davon und erklärt uns,
dass auch die deutsche Regierung Projekte unterhält, die den Aufbau
von Lehrwerkstätten als Ziel hat. Die Aufgaben der Botschaft sein
allerdings andere. Sie beschäftigen sich im Großen und Ganzen
mit drei Punkten. Zum Einen mit der Dezentralisierung, da ziemlich alles
sich in und um Maputo abspielt und der Rest des Landes ausgeschlossen
bleibt. Weitere Schwerpunkte sind die Armutsbekämpfung sowie die
Berufsbildung im Allgemeinen.
Sie erklärt uns, dass Deutschland jedes Jahr zehn Millionen Euro
in den Staatshaushalt Mosambiks einzahlt, über deren Verwendung
dann die mosambikanische Regierung allein entscheiden kann. Wobei es
natürlich Regelungen gibt, wofür die Gelder verwendet werden
dürfen. Wir erfahren auch von der Möglichkeit über die
Botschaft Projekte zu fördern, da auch sie einen Etat dafür
hat.
Rainer erzählt von der Sekundarschule, die wir gestern besucht haben,
und der es an einer kleinen Werkstatt mangelt, in der sie ihre Möbel
reparieren könnte und in den Ferien Projekte machen könnte.
Wir erfahren, dass es die Möglichkeit gibt Kleinstkredite zu beantragen,
mit denen dann solche Werkstätten aufgebaut werden können.
Diese Kredite stehen auch anderen zur Verfügung, die sich selbstständig
machen wollen. Die Formulare findet man im Internet und sie sind auch
in portugiesisch zu finden und auszufüllen.
Wir erzählen von unserem Plan nach Inhambane zu fahren und uns
dort noch zwei Schulen anzusehen und man sagt uns, dass auch dort Leute
von
der Botschaft anzutreffen seien, wenn sie nicht momentan im Urlaub
sind.
Rainer erzählt noch von unserem Plan den National Park zu besuchen
und fragt, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, das über die
Botschaft zu regeln. Frau Szedletzky verspricht ein Paar Telefonate zu
führen, macht uns aber keine großen Hoffnung. Auch die Wohnung
in Maputo für die letzte Woche wird wohl eher nicht zu finden
sein, aber auch hier wird sie die Ohren offen halten.
Wir bekommen noch die Notfallnummer der Botschaft für alle Fälle
und verabschieden uns dann.

7. Tag
Makonde-Schnitzer und Werkzeugmarkt, Maputo
Auch diesen Morgen sind wir alle wieder früh aus den Federn gekommen.
Um 10 Uhr soll der Bus vom Ministerium kommen um uns zu einer Makonde-Schnitzer
Kooperative an der “Costa del Sol“ zu fahren. Bevor dieses
aber geschehen kann haben wir jedoch noch eine Gruppenbesprechung um
den weiteren Reiseverlauf noch einmal zu besprechen.
Als der Bus dann da ist fahren wir entlang der alt bekannten Küstenstraße
in Richtung Norden und gelangen nach einiger Verwirrung dann auch zu
der kleinen Hütte der Schnitzer am Straßenrand. Vor uns tut
sich eine Vielfalt verschiedenster Schnitzereien, zumeist aus schönen
schwarzen Harthölzern auf. Auch der Sohn des verstorbenen
Künstlers Rafael Nkatunga ist da und nach einem Gespräch mit
Rainer haben wir jetzt die Möglichkeit noch einmal wieder zu kommen
und mit den Künstlern für einen Tag oder Nachmittag zusammen
zu arbeiten.
Von der Costa del Sol machen wir jetzt, nachdem Rainer mit dem Bus
schon einmal zum Ministerium gefahren ist, um den weiteren Reiseplan
mit Eugenio
zu organisieren, unsere ersten Erfahrungen mit dem lokalen “öffentlichen
Nahverkehr“ und fahren wieder stadteinwärts. Da der ganze
Tag zur freien Verfügung geplant war teilt sich hier, nach einem
Besuch im modernsten Einkaufszentrum Mosambiks, die ja ohnehin schon
dezimierte Gruppe weiter auf und Blanka und Tine machen sich auf eigene
Faust auf den Weg, Maputo zu erkunden. Der verbliebene Rest ist jetzt
bereit sich ein wenig auf den Handwerksmärkten der Stadt zu orientieren
und die nötigen Materialien für das nächste Projekt
am Montag in Moamba zu besorgen und die mosambikanische Art des Einkaufens
zu studieren.
Mit dem Chapa geht es auf den Markt am „P. Combatentes“,
dem, nach Rafaels Beschreibung, richtigen Markt für Werkzeuge
und Baumaterialien.
Nachdem wir, nach einigem hin und her Gefeilsche, das meiste der benötigten
Werkzeuge beisammen haben (wir haben immerhin zwei Hämmer, Sägen,
sowie eine Feile und Zange erstanden) machen wir uns wieder auf den Rückweg
Richtung Baixa wo wir in einem Beschläge und Baubedarfs Laden noch
unsere restlichen Bedürfnisse befriedigten, um dann den Tag mit
einem Bummel durch die Baixa abzuschließen. Im Cafe Continental
werden wir dann wieder vom Bus aufgelesen um den Abend mit einem gemütlichen
Bier und wieder in voller Gruppenstärke mit Eugenio, der nun auch
schon fast zu uns gehört, ausklingen zu lassen.

8. Tag
Ausflug zu Rafaels Machamba, Chiboene
Heute sind wir von Raphael auf seine Machamba eingeladen. Das von uns
bestellte Chappa holt uns dafür früh um 7 Uhr von unserer Unterkunft
ab. Raphael ist Tischler und war 2002 für 3 Monate in Deutschland.
Er will uns zeigen wo er lebt. Mit dabei sind, neben uns und Raphael,
auch Bucheka, ein Künstler den wir vom Nucleo de Arte kennen und
der Cousin von Raphael, Gaspar ( der Motorista und der Beifahrer saßen
natürlich auch noch im Chappa).
Auf dem Markt in Benfica, einem Vorort von Maputo, erledigten wir die
Einkäufe, denn es soll ein schönes Essen auf der Machamba geben.
Neben Bier mussten auch Eisbeutel gekauft werden, damit das Bier auch
kalt bleibt, denn es gibt keinen Strom auf Raphaels Machamba.
Dann ging es weiter auf der Straße Richtung Norden. Irgendwann
bogen wir ab von der geteerten Hauptstrasse und fuhren nun auf einem
Sandweg weiter, der dem Fahrer fahrerisches Können abverlangte und
uns ordentlich durchrüttelte. Nach etwa einer halben Stunde war
eine Militärbasis zu sehen, bis hierhin waren die Machambas, die
vereinzelt rechts und links des Weges lagen, mit Strom versorgt. Hier,
an der Basis endet die Stromversorgung. Wir dachten an unsere Solarlampen,
die für diese Gegend vielleicht von Interesse sein könnten.
Gaspar hielt dieses Konzept für sehr geeignet und war von der Idee
begeistert, Schuldächer mit Solarpaneelen einzudecken und so als
Ladestationen für die Lampen zu fungieren. Schulen wurden hier in
letzter Zeit einige gebaut.
Dann hielten wir irgendwann an, von einer Machamba war nichts zu sehen.
Wir luden alles aus und folgten Raphael, dem seine Familie nun schon
entgegengelaufen kam.
Es ist für Europäer schon ein ungewohnter Anblick: zwischen
ein paar Bäumen gelegen befinden sich ein paar Hütten aus Bambus
mit einem Dach aus Wellblech; etwas Land und ein paar Tiere, so einfach
kann man leben.
Hier lebt Raphaels eine Frau, Joana, mit ihren gemeinsamen Kindern und
ist für die Machamba verantwortlich, denn Raphael arbeitet in der
Tischlerei der UGC in der Nähe von Maputo. Unter der Woche lebt
er bei seiner zweiten Frau in der Stadt. Mit ihr hat er zwei Kinder und
hat außerdem die Verantwortung, sich um die Kinder seines verstorbenen
Bruders zu kümmern.
Es ist in Mosambik keine Seltenheit, dass Männer mit mehreren Frauen
zusammen sind. Offizielle Statistiken besagen das es 10 mal mehr Frauen
als Männer gibt, das scheint uns allen etwas viel, 6 mal so viele
scheint uns realistischer.

Nach der Begrüßung wird sofort mit den Essensvorbereitungen
begonnen. Joana fängt an den Salat zu waschen und vorzubereiten,
kocht Wasser über dem Feuer und bereitet das Frühstück
vor. Das Wasser zum Kochen und Abwaschen holt sie von dem Brunnen der
Nachbarn. Ihrer ist trocken und soll demnächst tiefer gegraben werden,
von 13 auf 16 Meter. Der Brunnenbauer hat aber seinen Preis und da Raphael
seit zwei Jahren von der UGC keinen Lohn erhalten hat, wird das mit der
Brunnenvertiefung noch dauern.
Raphael zeigt uns seine Machamba und holt dann den, nur widerwillig folgenden,
Ziegenbock, der wenig später (mit Hilfe eines kleinen Taschenmessers)
ausgenommen an einem Ast baumelt.
Nun ist auch Zeit für das bereitete Frühstück, das Bier
ist schon kühl genug.
Holzspieße sind von den Jungen entrindet und angespitzt worden
und werden nun mit Ziegenfleisch bestückt übers Feuer gehängt.
Bald sind Schweineschreie zu hören, die erst wenig später nach
einem Hammerschlag verstummen. Mit kochendem Wasser werden die Schweineborsten
entfernt und das Schwein gesäubert und dann mit einem großen
Messer zerteilt.
In der Zwischenzeit sind schon einige Nachbarinnen mit ihren Kindern
vorbeigekommen, es hat sich herumgesprochen, dass wir hier sind.
Die kleinen Kinder scheinen von dem Treiben gänzlich unbeeindruckt,
Fliegen sitzen auf ihren Schnoddernäschen, während sie durch
den Sand schlurfen.
Die Ziegenspieße sind gar, Raphael verteilt die Fleischstücke,
es ist ihm eine Freude uns zu bewirten, es schmeckt köstlich.
Der Mittag geht schnell vorbei. Wir haben vieles, was in der Woche passiert
ist, zu besprechen und können uns mit Raphael, Bucheka und Gaspar
unterhalten. Joana und die anderen Frauen reden „Changana“,
einer der traditionellen Sprachen in dieser Gegend. Die Kinder sprechen
sie auch, erst in der Schule lernen sie Portugiesisch.
Rafaels Schwester Kristina, die „Tochter des Hauses“, lädt
uns ein, ihr Haus zu besichtigen, wobei wir ihrer sämtlichen Sippschaft
vorgestellt werden. In der ersten Machamba treffen wir auf die steinalte
Großmutter, die gemütlich auf dem Boden Nüsschen schält
(Frage: Weißt du, wie alt sie ist? Antwort: Sie ist seeeehr alt…).
Rainer wird gefragt, ob die weibliche Begleitung (Blanka und die drei „Kristinas“)
allesamt seine Frauen seien. Daraufhin geht´s zu Tante und Onkel,
mit drei verschüchterten Backfischen, und zur Familie ihres Ehemannes,
wo uns der Schwiegervater, umringt von ca. 6 Jungs in jedem Alter, empfängt,
und auf dem Rückweg zeigt uns Kristina die Machamba ihrer Mutter.
Während der gesamten Wanderung durch den Busch stellt sie uns die
lokale Flora und Fauna vor, und ist sichtlich erschrocken, dass es in
Deutschland kein Masala und keine Pera goyava gibt. (was habt ihr denn überhaupt
in Deutschland? Ja wohl nicht viel..?) Das Zauberwort des Weges ist „sipelili“,
das in der Lokalsprache „Guten Tag“ heißt, und, aus
unserem Bleichgesichter-Mund ausgesprochen, ein breites Lächeln
auf die Gesichter zaubert.
Uns fällt auf, dass Zahlen hier keine Rolle spielen - der Supermarkt
ist nicht so weit, es dauert nur ein bisschen - man bekommt andere Antworten
als man sie aus Deutschland gewöhnt ist und die einem im ersten
Moment unbefriedigt lassen, da man eine Zahl mit einer Einheit erwartet
( z.B. 3 Km oder 10 min.).

Ich entscheide mich eine kleine Wanderung durch die Gegend zu unternehmen,
mir fällt aber bald auf das mir jemand folgt, es ist Gaspar, der
mich begleiten will, denn er hat bedenken, das ich mich verlaufe. Fremden
wird hier erst die Gegend gezeigt, erst dann dürfen sie auch alleine
umherstreunern (damit sie sich nicht verlaufen), das wusste ich nicht.
Wir schauen bei einem Köhler vorbei und Gaspar zeigt mir wo Zuckerrohr
wächst. Überall sind vereinzelte Machambas gelegen und es gibt
viele Trampelpfade, auf denen man ständig jemandem begegnet. Man
ist in dieser Gegend nicht alleine, obwohl man meinen könnte, man
wäre in der Wildnis, denn Zäune gibt es nicht.
Als die Sonne untergegangen ist, ist das Schwein fertig. Raphael hält
eine kurze Ansprache, denn seine Familie und er hätten nicht gedacht,
das wir kommen werden, und jetzt da wir da sind ist ihre Freude um so
größer. Das Essen ist ausgezeichnet. Es gibt gebratenes Schweinefleisch,
dunklen und hellen Reis, Bohnen in Soße und gebratenes Maniok.
Nach dem Essen werden abwechselnd Lieder vorgetragen, wobei wir überraschend
feststellen das man die Melodien „unserer“ Lieder hier sehr
gut kennt, nur eben mit anderem Text.
Die Frauen und Männer tanzen zum Singen und auch ein paar Gruppenmitglieder
mischen sich unter die Tanzenden. Zum Schluss geben auch noch die Kinder
ein Lied zum besten, ihnen muss dabei sehr kalt sein, sie haben nur ein
Hemd oder ein Kleid an, wobei sogar wir uns mittlerweile schon dicke
Pullover angezogen haben, aber das erklärt zumindest die Rotznasen.
Der Chapafahrer schlägt mit der rechten Hand auf das linke Handgelenk,
drängt zum Aufbruch, wir nehmen Abschied, der fällt uns sehr
schwer, alle Kinder werden auf beide Wangen geküsst, noch ein Abschiedslied
und dann gehen wir zum Fahrzeug das uns zurück nach Matola bringt.

9. Tag
Zum ersten Mal allein unterwegs
Sonntag, endlich ausschlafen. Ein ausgedehntes, spätes Frühstück
sorgte für muntere Stimmung am Morgen. Zum ersten Mal fanden wir Zeit die
vergangene Woche zu reflektieren und die Verhältnisse, die wir hier vorfinden,
mit unseren Erwartungen zu vergleichen. Erstaunlicher Weise waren alle der Meinung,
dass die Schulen, die Unterrichtsmethoden und die Ergebnisse, die durch den Unterricht
erzielt werden hier in Mosambik viel besser sind als erwartet. Es besteht Einigkeit
darüber, dass wir das Werkzeugprojekt überdenken müssen. Der Morgen
lehrte uns auch etwas neues über die mosambikanische Kultur. Männer
dürfen in der Gegenwart von Frauen hier nicht mit entblößtem
Oberkörper auftreten, erklärte uns ein Internatsschüler, nachdem
Christoph diesen Fauxpas begangen hatte.
Um das Zentrum von Maputo zu erreichen nutzten wir den örtlichen Personennahverkehr – Chapas.
Wobei Personennahverkehr hier wörtlich zu nehmen ist. In einem Kleinbus,
der Sitzplätze für 12 Personen bietet sind offiziell 16 Personen
erlaubt, bei unser ersten Fahrt allerdings stapelten sich 23 über Felix’ Knie.
Nach kuscheliger Fahrt erreichen wir das Haus des Malers Bucheka, bei dem
wir den Tag verbrachten. Er hatte seine Bilder aus dem winzigen, dunklen Atelier
im Keller in den Innenhof getragen, damit sie dort in besserem Licht betrachtet
werden können. Dieser Innenhof bildete zwischen den betongrauen Häusern
eine kleine, grüne Oase. Der Maler hatte Teile des Betonfußbodens
heraus gerissen, mit Erde befüllt und mit Palmen und Blumen bepflanzt.
Im Backpacker von Maputo informierten wir uns am Abend noch über die
Möglichkeiten einer Reise nach Swaziland.
Die Rückfahrt entpuppte sich als eine Lehrstunde chapafahren für
Fortgeschrittene, nun waren es noch eine ganze Reihe mehr Passagiere im Fahrzeug.
Außerdem war es bereits dunkel und wir waren gezwungen unterwegs einmal
umzusteigen. Aber wir sind heil wieder zu Hause angekommen.

Tag 10
Besuch bei Padre Vincente Beringuer in Ressano Garcia
Nachdem wir im Bus des Erziehungsministeriums einen Teil unserer Gruppe zum
Reparieren defekter Schulbänke nach Moamba gebracht haben, fahren Tine,
Christine, Christoph, Rainer, Eugenio und ich (Blanka) weiter gen Süden.
Ziel unserer Reise ist Ressano Garcia, eine Kleinstadt an der Grenze zu Südafrika
und eine Escola Secundaria , die ca. 3 km vom Ort entfernt auf einem weitläufigen
Gelände liegt..
Das Schulgebäude ist schon von außen beeindruckend – ein archetektonisch
ansprechender Bau mit massiver Wendeltreppe an einem Seitenflügel, die
in den ersten Stock führt.
Die Schule wurde von seinem Gründer, Padre Vincente Beringuer, entworfen
und ist seit Februar 06 in Betrieb. Im Bau und in der Planung sind noch ein
großer Versammlungssaal, eine Sporthalle und ein Internat. In sichtbarer
Entfernung entstehen kleine Häuschen für die Familien des Lehrerpersonals.
Die Schule wurde durch ausländische Finanzierung möglich – 6
Klassenräume durch eine Partnerschaftsschule in Bremen-Weyhe, 4 Klassenräume
durch Spendenaktionen einer deutschen Gemeinde in Alicante.
Zur Zeit findet der Unterricht in zwei – statt üblicherweise drei
Schichten statt, d.h. vor- und nachmittags, da es abends für die Schüler
zu gefährlich wäre, auf der einzigen stark von LKWs befahrenen Schnellstrasse
nach Hause zu gehen. Es wird hier gegen 18 Uhr dunkel – Fußgängerstreifen
und Straßenbeleuchtung gibt es nicht.
Da noch nicht alle Klassenräume fertig sind, findet der Unterricht z.Zt.
in sieben Klassen vormittags und einer Klasse nachmittags statt. Durchschnittliche
Klassenfrequenz sind 48 Schüler.
Nicht nur von der materiellen Ausstattung sondern auch vom strukturellen Aufbau
wirkt diese Schule überzeugend.
Die Leitung besteht neben Padre Vicente als `Kopf`’ – da katholische
Schule – aus einer Schuldirektorin und einer Pädagogischen Direktorin.
Im Parterre liegen die Sekretariatsräume, ein Lehrerzimmer, Vorratsräume
und eine Bibliothek, die sich im Aufbau befindet.
Wir werden von der pädagogischen Direktorin empfangen, die betont, dass
ihnen besonders am Herzen liegt, tz vermitteln, dass für die Hilfe aus
dem Ausland auch hart gearbeitet wurde. Dieser Eindruck wird verstärkt
bei unserem ersten Unterrichtsbesuch, als ein Schüler stellvertretend
für die Klasse äußert, dass sie glücklich sind, in dieser
Schule lernen zu können. In der zweiten Klasse werden wir gebeten, doch
bei der FIFA ein Wort für Mosambik einzulegen, damit hier mehr Fußballstadien
gebaut werden.

Gespräch mit Eugenio beim Mittagessen über AIDS-Problematik…..
Eugenio: Die Menschen hier sind reserviert, wenn es um das Thema Sexualität
geht….erst muss ein Eis geschmolzen werden….mit Humor kann man
sich nähern…Den Menschen muss erklärt werden, dass der Schutz
beim Lieben nicht primär der Vermeidung von Kindern dient sondern dem
Schutz vor Krankheit….Zwei Infizierte müssen sich auch schützen,
da es verschiedene Typen von AIDS-Viren gibt und die Gefahr besteht, das schon
vorhandene Krankheitsbild zu verstärken bzw. die Heilungschancen zu verschlechtern…..Es
gibt ein Theaterstück, mit dem die Scham besiegt werden soll…ein
mosambikanischer Minenarbeiter
kommt aidsinfiziert aus Südafrika zurück und überwindet sich,
dies seiner Familie zu erzählen – gemeinsam trauern sie und vergeben
ihm…

nachmittags beim Besuch von Padre Vincente
Wir treffen Padre Vincente in seinem Haus in Ressano Garcia, dass direkt an
der mit Stacheldraht markierten Grenze liegt. P.V. erzählt uns von den
krassen Verhältnissen der Region…hohe Kriminalitäts- und
Aidsrate, viele Straßenkinder.., die ihn bewogen haben bereits gut
funktionierende und von ihm aufgebaute Projekte in Maputo zu verlassen und
hier ganz neu anzufangen (….und dies mit 65 J.!!!!) Als er hier eintraf
(vor ca. 2 Jahren), war die Stadt ein einziger Müllhaufen. Er organisierte
ein Beschäftigungsprogramm mit Jugendlichen von der Straße…ein
Euro pro Tag für die Müllbeseitigung. Heute sind die Straßen
weitgehend sauber.
Durch die neu entstandene Schule können jetzt alle Sekundarschüler
in Ressano Garcia versorgt werden. Sie werden angeleitet, die durch Spenden
entstandenen Bildungsmöglichkeiten auch zu pflegen.
Für die vorgeschaltete Primarschule sind in Zusammenarbeit mit Jochen
Pfeifer, der seit `75 im Rahmen von Schulpartnerschaften aktiv ist, Gelder
für die Restaurierung und Erweiterung von vier auf acht Klassen zusammengetragen
worden. Mit Hilfe einer Gemeinde in Madrid kümmert sich Padre Vincente
ferner um die Renovierung des Hospitals als auch um den Aufbau eines Gesundheitszentrums
25 km entfernt.

Auszüge aus einem Dialog über die Kultur der Reinlichkeit
F: Registrieren die Menschen hier die Beseitigung des Mülls als eine
positive Veränderung?
P.V. Es ist eine wichtige Arbeit von Schule – ein pädagogischer
Erziehungsprozess, der lange dauert. Unser Ziel ist, an jeder Ecke in der Schule
einen Mülleimer aufzustellen. Wir haben auch Gelder für 20 Müllcontainer
gesammelt, die in der Stadt verteilt wurden.
Padre Pepe: Die Kultur der Reinlichkeit ist nicht trennbar von den Verhältnissen
auf dem Land. Hier fegen die Menschen morgens und abends ihren Hof – ganz
anders als in der Stadt, wo die Menschen auf engem Raum leben. Es gibt keine
Möglichkeit den Müll zu entsorgen, daher wird auf der Straße
entsorgt.
Eugenio: In Maputo gibt es verschiedene Niveaus von Lebensformen – viele
zogen damals in die Stadt, um sich vor dem Krieg zu schützen. Da sie aber
aus ländlichen Gebieten kamen, hatten sie nichts zu tun. Familien wohnten
auf sehr engem Raum.
Heute kommt – wenn überhaupt – einmal monatlich die Müllabfuhr.
Allein auf den Märkten werden aber täglich Tonnen von Müll produziert.
Nach der Unabhängigkeit (1975) ist die Stimmung in der Bevölkerung
euphorisch. Die Menschen haben gesungen und ihre Umgebung gesäubert. Um
5 Uhr weckte jemand mit der Trillerpfeife – die Leute kamen aus ihren
Häusern und wer dies nicht tat bekam Probleme.
Der Umschwung kam 1986. Durch Vorgaben der Weltbank und des IWF veränderte
sich die Politik und die Wirtschaftsstruktur. Jede Familie muss seitdem 60
Cent mtl. für die Müllbeseitigung bezahlen mit der Folge, dass keiner
mehr selbst seinen Müll beseitigt.
F: Ist die Welt allgemein auf dem Weg sich zu verschlechtern oder zu verbessern?
P:V: Auf Ressano Garcia bezogen hat sich insgesamt die Situation verbessert.
Der Materialismus der westlichen Welt wird aber negativen Einfluss auf die
kulturellen Werte nehmen…es gibt Einflüsse wie das Fernsehen…neue
Bedürfnisse entstehen….aber ich werde trotzdem weiter für bessere
Verhältnisse kämpfen.
Mein Ziel ist für eine gute Schul- und Menschenbildung zu sorgen.
F: Gibt es Ihrerseits perspektivische Überlegungen hinsichtlich einer
beruflichen Bildung?
P:V:: Die Provinzdirektion hat dies im Auge. Es besteht die Absicht, Grundkompetenzen
für die Bereiche Tierhaltung, Agrarwirtschaft, Sanitärtechnik und
Elektrizität zu vermitteln.
Mir liegt die Einführung einer Schulproduktion sehr am Herzen. Die sollen
täglich 2 Stunden auf der schuleigenen Machamba arbeiten, damit sie später
in der Lage sind Wasserhähne oder Leitungen zu reparieren….
Wir bedanken und verabschieden uns …und bekommen mit auf den Weg:
P:V: Ihr seid jederzeit in meinem Haus willkommen…viele Menschen aus
ganz Europa kommen zu Besuch….innerlich ausgebrannt und leer….und
es gibt auf der ganzen Welt so viel zu tun!!!!

Tag 11
Heute Morgen hatten wir unsere zweite Morgenbesprechung, mit der Mitteilung
Rainers, er würde uns leider nicht mit nach Inhambane begleiten. Im Anschluss
daran ist ein Teil der Gruppe mit dem grade wieder eingetroffenen Ministeriumsbus
in Richtung Costa del Sol aufgebrochen, wo wir ein weiteres Treffen mit den
Makondeschnitzern um Nkatunga hatten. Auf dem Weg zur Costa del Sol haben wir
dann noch einen Stop bei den Behindertenwerkstätten an der Küstenstraße
gemacht, um uns dort die Fertigung von Ledersandalen und Taschen sowie kleinen
Trommeln und ähnlichem anzusehen. Bei den Makondeschnitzern angekommen,
ist Rainer relativ bald mit Nkatunga zu dessen Haus aufgebrochen um sich dort
eine Arbeit seines Vaters anzusehen, die er diesem vor einigen Jahren in Auftrag
gegeben hatte. Derweilen haben Clemens und Tine eine kleine Einweisung in die
Holzschnitzerei bekommen und durften sich auch schon an richtig fast fertigen
Skulpturen versuchen, während Blanka und ich uns die zum Verkauf stehenden
Skulpturen eingehender betrachteten und den beiden gespannt beim Schnitzen
zuschauten. Nach Rainers Rückkehr mit Nkatunga sind wir mit Herrn Langer
noch zum Ende der Straße gefahren, um uns dort bei traumhafter Strandkulisse
noch ein Mittagessen von vier halben Hähnchen zu gönnen, wobei eine gewisse
Verständigungsschwierigkeit
mit dem Kellner auftrat und es eine ganze Weile dauerte bis wir uns verständlich
machen konnten, dass wir 4 halbe Hähnchen aber 6 Gabeln haben
wollten. Nach dem Essen sind wir dann auch schon wieder in Richtung Stadt
aufgebrochen, wo, dort angekommen, jeder seiner Weg ging.

Tag 12
Fahrt nach Inhambane
Der Wecker klingelt um vier Uhr Morgens denn um fünf werden wir vom Ministeriumsbus
abgeholt, der uns zum Busbahnhof bringt. Wir packen unser Reisegepäck,
räumen noch auf, und gehen zeitig zum Schultor der IMAPI, die uns für
eine gute Woche beherbergt hat.
Wie zu erwarten, ist kein Bus zu sehen und es ist schon nach Fünf und
der Überlandbus nach Inhambane wird nicht auf uns warten. Dann kurz nach
halb sechs, hören wir den Bus, kurz drauf rast er an uns vorbei, wendet
auf dem Parkplatz und kommt vor uns zum Stehen - Senior Langer fährt heute
mal wieder einen heißen Reifen.
Das Gepäck ist rasch verstaut, dem Wächter wird zum Abschied die
Hand geschüttelt und dann geht’s rasant Richtung Busbahnhof, vorbei
an unbeleuchteten, zu langsam fahrenden Fahrzeugen und Schubkarren, die zu
dieser Tageszeit, es ist Nacht, die Strasse überqueren. An der Mautstation
verlieren wir wertvolle Sekunden, Maut bezahlt, Wechselgeld bekommen, Ampel
springt auf grün, der Motor jault auf und weiter geht’s, denn Senior
Langer hat es eilig und schreibt nebenher noch schnell `ne SMS. Der afrikanische
Spruch: „Ihr habt die Uhren wir haben die Zeit“ trifft das erste
Mal seit unserem Aufenthalt nicht zu, stimmt nicht ganz, die Chapa Fahrer haben
es auch immer eilig, denn “Zeit ist Geld“.
Der Busbahnhof liegt an einer Ausfallstrasse, es dämmert und einige Busse
lassen bereits ihre Dieselmotoren warmlaufen, der Geruch der Abgase verschlägt
einem den Atem, der ganze Platz ist verqualmt. Man sieht das Gepäck fast
nicht, auf das man doch gerade hier besonders acht geben muss, der Platz ist
nämlich nicht ausgeleuchtet.
Die Reiseproviant-Frage hat sich schnell erledigt, Händler haben bereits
ihre Stände aufgebaut und bieten alles an, was man auf einer Busreise
brauchen könnte. Alles? Fast alles außer Fahrkarten, die gibt’s
nur in der großen Industriehalle hinter uns. Durch ein Stahltür
in die Dunkelheit tretend erkennt man zuerst schemenhaft etwas sehr großes,
einen Überlandbus mit Klinkerreifen, dieselbe Bauart wie seine, noch immer
rußenden, Kollegen draußen vor dem Tor, bloß ausgeschlachtet.
Aber wo kommt das wenige Licht hier eigentlich her? Durch ein Loch in der Wand,
so groß, das zwei Fäuste gerade durchpassen, Geld rein, Fahrkarten
raus, jetzt steht der Busreise nichts mehr im Weg.

Das Tageslicht blendet uns, als wir ins Freie treten, die Sonne geht hier sehr
schnell auf, wir sind verwundert.
Nun wird das Gepäck verladen, das kostet extra. Alle Klappen werden dann
mit Bindfäden versehen, die durch die Rostlöcher gesteckt, das ungewollte
Aufklappen während der Fahrt verhindern sollen. Kurze Zeit später
versucht der Bus anzufahren, dann kommt ein Techniker mit Werkzeug an uns vorbei.
Der dritte Versuch klappt und wir rollen rußend vom Platz.
Vor uns liegen 500 km mosambikanische Landstraße, geschätzte Fahrzeit:
9 Stunden.
Wir fahren raus aus Maputo, vorbei an dem Markt wo wir für den Machamba-Ausflug
eingekauft hatten, vorbei an der Abzweigung, die zu Raphaels Machamba führt.
Die Gegend hier hat eine niedrige Vegetation, wirkt oft karg und trocken, die
rote Erde ist überall zu sehen.

Der Bus ist nicht ganz voll besetzt, und wir können ein wenig Schlaf nachholen.
Nach drei Stunden der erste Halt mit Toilette, einer Baracke im Hinterhof.
Es liegt ein beißender Uringeruch in der Luft. Die Herrentoilette in
bekannter Weise mit Rinne, die Damen sitzen beim Wasserlassen im Kreis, ohne
Trennwände.
Als wir zurückkommen ist der Bus umringt von Händlerinnen und Händlern,
die den Insassen Reiseprodukte, Souvenirs und vor allem Früchte anbieten.
Wir kaufen ein paar Bananen und süße Brötchen. Der Busfahrer
hat in der Zwischenzeit die Bändchen an den Klappen kontrolliert, hupt
jetzt und lässt den Motor zornig aufbrummen, wir steigen besser ein, der
will weiter.
Die Sonne steht jetzt hoch am Himmel und heizt den Bus auf. Wir sitzen ganz
hinten, das hat den Vorteil, dass wir uns nicht bei jedem Überholmanöver,
das wir sonst durch die kaputte Windschutzscheibe beobachten müssten,
wie auf einem Zahnarztstuhl verkrampfen würden
Unser nächster längerer Halt ist Xai-Xai, man könnte diese Station „Friedhof
der Überlandbusse“ nennen, überall stehen hier ausgeschlachtete
Objekte des gleichen Typs herum, der Ersatzteilmangel erzwingt das Reparaturprinzip „ Aus
zwei kaputten mach ein heiles“, das funktioniert! unser Bus fährt.
Ein Betteljunge führt eine alte Frau zu uns, sie ist in Lumpen gekleidet
und hat keine Augen, er lächelt uns an, bittet um Geld und bekommt etwas,
das ging uns allen nah.
Die Landstraße ist ab Xai-Xai schlechter, was den Busfahrer jedoch nicht
dazu bewegt langsamer zu fahren. Die Überholmanöver laufen so ab:
der zu Überholende fährt ganz nach links (hier ist Linksverkehr!),
zwei Reifen auf dem Asphalt zwei im roten Sand, und der Überholende versucht
das gleiche bloß eben möglichst weit rechts und ohne Geschwindigkeit
zu verlieren; der Bus fährt 80 Km/h.

Die Landschaft verändert sich, die Vegetation wird grüner, dichter
und höher. Sie ist hier satter und es gibt nur wenige karge Stellen.
Immer wieder sieht man Menschen, die auf den Feldern arbeiten, sie ernten.
Mit einer
Hacke sieht man nur die Frauen arbeiten.
Wir steigen auf dem kleinen Busbahnhof von Inhambane aus und werden gleich
belagert von Chapafahrern, die uns unbedingt in irgendwelche Hotels bringen
möchten. Nach einem Anruf bei der Schuldirektion, werden wir von einem
Mitarbeiter des Erziehungsministeriums abgeholt und wir gehen zu Fuß zur „ Escola
Tecnica de Inhambane“, der Schule die uns beherbergen wird.
Drei Gruppenmitglieder fühlen sich seit heute unwohl, sie fahren ins Krankenhaus
um einen Malariatest zu machen, keiner hat eine Malaria, ein Glück. Ruhe
brauchen wir jetzt aber alle, das ist aber unmöglich, wir sind in einem
Internat untergebracht, in den Schlafsälen neben uns schlafen, in jedem
Saal, 40 bis 50 Schüler in Hochbetten, dicht an dicht gestellt.
Zwei von unserer Gruppe hüten erstmal das Bett, die anderen erledigen
noch ein paar wichtige Einkäufe, u.a. Hühnerbrühe für
die Magen-Darm-Kranken.
Die kleinen Einkaufsläden hier werden hauptsächlich von Indern geführt,
sie sprechen gut englisch, das ist ihre „Muttersprache“.

Inhambane hat die traurige Geschichte einer der ersten Orte zu sein, von
wo aus Sklaven nach Nordamerika verschleppt wurden und ist heute eine Stadt,
die
Touristen gerne aufsuchen um die koloniale Architektur zu bewundern. Die
Stadt hat einen morbiden Scharm, es gibt sogar Mülleimer, bisher gesehen fand
Müll-Entsorgung nur an Straßenecken und auf Freiflächen statt,
die dann vor sich hin stanken, hier würde das wohl die Touristen verschreckt
abreisen lassen. Inhambane hat einen Internationalen Flughafen.
Aber mit dem Müll ist das so eine Sache, auf Raphaels Machamba wird der
Müll in der Erde verscharrt, wie rückständig denkt man, ich
muss an Müllberge oder Lüchow-Dannenberg denken, wir in Deutschland
machen es nicht anders: Aus den Augen aus dem Sinn.
Am Abend treffe ich noch Luis, er spricht mich auf der Straße auf Deutsch
an. Er erzählt, dass er in der DDR gelebt hat, in einer Waffenfabrik in
der Nähe von Magdeburg vier Jahre lang gearbeitet hat. Im Herbst 1990
musste er dann zurück nach Mosambik, seine Freundin war da gerade im dritten
Monat schwanger, er kennt seinen Sohn nur von einem Foto, was ihm die Mutter
später geschickt hat. Ich habe auch einen Sohn, der in Ostdeutschland
lebt, sehe ihn alle halbe Jahr, das ist schon schwer für mich. Seine Frau
ist vor einem Monat gestorben, er ist jetzt allein für seine vier Kinder
hier verantwortlich. Ich bin sprachlos, ich habe verstanden, wie viel Leid
dieser Mann erträgt.

Tag 13
Escola Sekundaria de Homoine
Den ersten Tag in Inhambane begannen die meisten von uns eher gerädert.
Neben Felix, der zum Glück nicht malariakrank, aber trotzdem noch nicht
wieder auf den Beinen war, hatten auch alle anderen Ringe unter den Augen.
Die lange Reise am Vortag, die Lautstärke der Internatsschüler und
der Riesenkröten vor unserem Fenster während der kurzen Nacht, zeigten
sich in fast jedem Gesicht.
Schnelles Frühstück und dann mit dem Schiff, oder besser Schiffchen
nach Maxixe übergesetzt. Wer vom Surren und Geruch des Außenborders,
der Seeluft und dem Wellengang noch nicht munter geworden war, wurde es spätestens
während der Fahrt nach Homoine - unserem Ziel für den heutigen Tag.
Ein Chapa im Inhambane-Style – Vierradgetriebener pick up, mit einer
Plane überdacht, diente uns als Transportmittel. So ging es mit über
achtzig km/h und ordentlich Fahrtwind in den Haaren, die rote Sandpiste entlang.
Vorbei an sehr, sehr vielen Kokospalmen vereinzelten Hütten, ebenfalls
aus Kokos bis hinein in die kleine ehemalige Kolonialstadt Homoine. Nachdem
Abrahamo uns obligatorisch in der Provinzdirektion angemeldet hat, fahren wir
in die Sekundarschule von Homoine.

Die Begrüßung durch den pädagogischen Direktor und die stellvertretende
Schulleiterin fand, wie meistens in einem winzigen für unseren Besuch
mit Stühlen zugestellten Direktorenzimmer statt. Ein großes Plakat
an der Wand, vor der der große hagere Direktor stand, fiel allen von
uns direkt ins Auge. Es zeigte eine Statistik über Schülerzahlen
und das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen an dieser Schule.
Zuerst dachte ich, dass die Zahl hinter der Jahreszahl 2005 die Summe der in
den letzten
fünf Jahren hier unterrichteten Schüler darstellte, da die Zahl so
unglaublich groß war – 3998 stand dort. Dies ist die aktuelle Schülerzahl,
wurde uns schnell erklärt. Trotz dem auch hier praktizierten Unterricht
in drei Schichten, bedeutete dies Klassengrößen von bis zu achtzig
Schülern. Umso überraschter waren wir beim anschließenden Schulrundgang.
Aus den hier noch zum Teil aus Kokosblättern gebauten Schulklassenräumen
war zumeist nur die Stimme des Lehrers zu hören und auch als wir, die
natürlich sehr exotisch waren, die Räume betraten, und uns von den
Schülern viele Fragen gestellt wurden, hörte jeder jedem zu. Die
Initiative der Eltern und Lehrer dieser Schule hat uns sehr beeindruckt, so
wurden zum
Beispiel alte Klassenräume in Eigeninitiative durch Steinhäuser ersetzt,
kleine Gärten zwischen den Gebäuden angelegt und von den Schülern
Wandbilder zu den Themen Aids, Unabhängigkeit Mosambiks und Krieg und
Frieden gemacht
.
Der im Curriculum vom Erziehungsministerium gewünschte praktische Ansatz
während der Sekundarschulausbildung wird auch hier eingeführt, allerdings
stellten wir im Gespräch mit dem pädagogischen Direktor fest, dass
auch hier fast niemand nach der Schule einen praktischen Beruf erlernen möchte,
sondern fast alle Schüler weiter zur Schule/Universität gehen oder
Lehrer werden.
Am Nachmittag verlassen wir die Schule, statten dem Markt von Homoine noch
einen Besuch ab. Und rasen über die Sandpiste zurück nach Maxixe.
Dort erzählt uns der Provinzdirektor noch über die Provinz, die Schulsituation
und seine Erlebnisse in Deutschland. Fünfzehn Minuten später sitzen
wir auch schon beim Essen und unterhalten uns, bis zur Abfahrt der letzen Fähre
mit Helen, einer deutschen Hebamme, die viel über das Leben in diesem
Teil des Landes zu erzählen weiß.
Als das Schiff, diesmal ein richtiges Schiff an den Pier von Inhambane schaukelt
wissen wir – heute Nacht werden wir gut schlafen.

Tag 14
Wochenende am Strand - Praia de Barra
Am Morgen findet sich die Gruppe zusammen zu einer Morgenbesprechung. Es geht
um die Wochenberichte, die Spannungen in der Gruppe und die Pläne für
die kommende Woche in der Berufsschule in Massinga.
Als Ergebnis des gestrigen Besuches der Sekundarschule in Homoine kam die Idee
auf, die Werkstatt der Berufsschule zu nutzen um ein Schulbankprojekt laufen
zu lassen. Am Ende einigte man sich darauf vor Ort die Schüler darüber
zu befragen, was sie lieber tun würden und gegebenenfalls auch beide Projekte,
Schulbänke und Tischfußball, parallel laufen zu lassen.
Bei den beiden anderen Themen konnte leider keine Einigung gefunden werden.
Die Meinungen über die Berichte gehen einfach zu weit auseinander. Die
Spannungen der Gruppe resultieren aus verschiedenen Vorstellungen über
den Verlauf und den Inhalt der Reise. Außerdem wird offensichtlich, dass
die Ziele, die man mit dieser Reise verbindet, stark auseinander gehen.
Am Ende der Besprechung macht man sich auf den Weg zu einem verspäteten
Frühstück und macht die Einkäufe für das Wochenende. Gegen
halb eins soll das Chapa kommen, das uns dann zum Strand Barra bringen soll,
zumindest soweit man ohne Four-Wheel-Drive kommt. Die Fahrt geht über
geschlungene Straßen durch Kokosplantagen durch eine hügelige Landschaft.
Es sieht aus wie ein Postkartenmotiv und in der Ferne kann man schon das Meer
sehen.
Wo das Chapa nicht weiter kommt wird die Gruppe von Okki, einem witzigen, entspanntem
und wohlgenährten Südafrikaner, abgeholt. Die letzten zwei Kilometer
gehen durch unwegsames Gelände, vorbei an einfachen Hütten und Kindern,
die uns ihre kleinen Händchen entgegen strecken und um „Sweeties“ bitten.
Hier fällt bereits von vielen der Stress der letzten Wochen ab. Alle freuen
sich auf ein schönes, entspanntes Wochenende.

Das Haus an dem wir ankommen besteht aus den traditionellen, aus Lehm gebrannten,
Steinen. Die Wände sind unverputzt und es sitzt ein Giebeldach aus geflochtenen
Palmenwedeln, ebenfalls eine traditionelle Bauweise, darauf. Es ist beeindruckend,
wie aus den gegebenen Werkstoffen ein Haus nach touristischen Ansprüchen
entstanden ist. Die Wände im ersten Stock sind aus Binsenbündeln
zusammen gebunden. Das ganze Haus wirkt rustikal gemütlich.
Nach dem ersten Rundgang bestätigt sich, was viele gehofft, aber kaum
einer zu hoffen gewagt hat. Es gibt warmes Wasser aus der Dusche! Nach zwei
Wochen des Kalt-Duschens freuen viele sich nun auf eine schöne warme Dusche
und das Gefühl mal wieder richtig sauber zu werden.
Ein Teil der Gruppe schlüpft schnell in die Badesachen und macht sich
auf den Weg an den Strand um sich in die Wellen zu stürzen. Das Wasser
ist herrlich erfrischend, aber nicht kalt. Die Wellen sind so stark, dass sie
die Schwimmer ein ganzes Stück den Strand hinunter treiben und sie eine
gute Strecke zu ihren Sachen zurück laufen müssen. Es werden noch
die letzten Sonnenstrahlen getankt, bevor man sich wieder zum Haus begibt.
Zum Abendbrot soll es Spagetti mit Tomatensoße geben. Okki steuert noch
vier Stücken eines großen Barakudas dazu bei, die Michael auf dem
Grill zubereitet, in einer leckeren Marinade aus Knoblauch, Öl und Piri
Piri. Für die Tomatensoße werden frische Tomaten zerteilt und Zwiebeln
angebraten. Ein himmlischer Duft erfüllt das ganze Haus. Alle lassen es
sich reichlich schmecken und sind froh darüber hier zu sein.

Später am Abend erreicht uns noch eine Nachricht von Rainer. Ein Mitglied
unserer Gruppe hat die Chance mit dem Bundespräsidenten nach Ghana zu
fahren und dort einerseits unser Projekt vorzustellen und andererseits in einer
der Gruppen mitzuarbeiten, die sich mit verschiedenen Problemen Afrikas auseinander
setzen. Christine, Christoph und Clemens bekunden ihr Interesse und die Gruppe
soll im Laufe des Wochenendes darüber entscheiden, wen sie nach Ghana
schicken möchte.
Im Anschluss trifft man sich noch zu ein wenig geselligem Beieinandersein
und lässt sich dann später genüsslich in die schönen weichen
Betten fallen. Es war alles in allem ein schöner Start ins Wochenende
an einem Platz, der das Paradies zu sein scheint.

Tag 15
Praia de Barra
Blanka sagt: “Ich war einfach nur da“. Christine sagt, sie habe
nicht viel gemacht. Bei genauerer Betrachtung hat sie aber einen Strandspaziergang
gemacht und `ne rischtig leckere Soße gekocht. Tine musste schockiert
Südafrikaner beobachten, die sich „noch nicht mal die Mühe
machten die Sprache des Landes zu lernen, in dem sie nun wohnen, und stattdessen
mit ihrem Freizeitequipment den ganzen Strand in Atem halten.“ Anika
konnte dies nicht beobachten, denn sie versank an diesem Tag in ihrem Buch
uns las 140 Seiten. Trotz dieser Flucht in eine fiktive Welt konnte sie den
sie verfolgenden, nachts quakenden, orangenen Fröschen nicht entkommen.
Clemens machte seine Krankheit weiterhin arg zu schaffen, zudem lag ihm die
Entscheidung, wer nach Ghana fährt, schwer auf dem Magen. Michael zog
es schon früh zum Strand runter, um Garnelen zu ersteigern. Später
kam noch ein riesiger Kingfisch von 11 kg (für 17,-€) hinzu. Auch
Christoph genoss den Tag am Meer und bearbeitete die gefangenen Exmeerbewohner
mit zu. Felix konnte sich endlich gut erholen, lesen und den Fischer beim Zerlegen
des Riesenfisches beobachten. Der eingeladene Wetimane konnte seine Deutschkenntnisse
ausweitern und der eingeladene Abrahamo fragte am Ende des leckeren Essens,
wer nun eigentlich bei wem zu Gast sei.

Tag
17
Massinga
Früh am Morgen ging´s los: Zunächst ein Stückchen zu
Fuß durch Inhambane Stadt. Vorbei an den –zwar teilweise zerfallenen-
aber schönen hellen Häusern der Stadt mit Straßen umringt von
Kokospalmen. Bis hin zum Bootsanleger, der durch einen langen Steg zu erreichen
war. Dort stiegen wir in die kleinen Nussschalen mit normalem kleinem Außenbordmotor
ein. In solch ein maximal fünf Meter langes Bötchen passen ca. 20
Menschen plus Säcke voll mit Fischen und sonstigen Waren für Märkte,
dafür dauert die Fahrt aber auch fast eine halbe Stunde für einen
Kilometer Wegstrecke. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die Stadt
Maxixe, von der der meiste Fernverkehr abgefertigt wird. Auch unser Chapa nach
Massinga fuhr dort ab. Nach einigen Unstimmigkeiten über die Fahrtkosten
und den Preis für´s Gepäck ging´s ab nach Massinga. Auf
der 1,5-stündigen Fahrt dorthin wurde der Sand am Wegesrand immer roter
und feiner. Das ganze Chapa mit Personen und Gepäck bekam einen rötlichen
Stich. Draußen waren sogar die Pflanzen direkt an der Straße nicht
mehr grün sondern ebenfalls rot. Wir kamen an Baustellen vorbei, an denen
diese Hauptverkehrsstraße in den Norden ausbaut wurde. Um einen kleinen
Eindruck von den Baustellen zu vermitteln: damit der nun nur noch einspurige
Verkehr laufen konnte, stand oder saß ein Arbeiter auf einer Tonne mit
einem Schild in der Hand, was er drehte - je nachdem welche Richtung man fahren
sollte. Auf der neuen nivellierten Straße wurde Zement (noch in Pulverform)
drüber gestreut. Hin und wieder fuhr ein Wagen über den neuen Teil
der Straße um sie zu besprenkeln. Wie genau der Bauprozess weiter geht,
konnten wir nicht sehen.

Schließlich kamen wir in Massinga an, der Stadt im Land, der die höchste
Kriminalitäts- und Aidsrate nachgesagt wird. Abgeholt wurden wir von einem
Pickup der uns zur Escola brachte.
Angekommen, schien keiner wirklich vorbereitet auf unseren Besuch. Schließlich
fanden sich der Pädagogische Direktor und der Hausmeister ein. Sie zeigten
uns unsere Schlafräume im Jungen- bzw. Mädcheninternat. Einfache
frisch gestrichene Räume mit Metallhochbetten drinnen. Die Sanitäranlagen
waren einfache Häuser mit sechs Kabinen - je drei zum Duschen und drei
dienten als Toiletten. Die installierte Dusche hatte allerdings kein Wasser.
So Stand in der Mitte des Raums eine Tonne (in der vorher schätzungsweise
der Brennstoff für die Herde in der Küche war (!toxic!)) mit Wasser.
Wir bekamen einen Zinneimer um das Wasser zu schöpfen, als Dusche oder
Wasserspülung für die Keramik-Draufsteh-Loch-Toiletten. Alternativ
zu diesen Toiletten gab es für schnelle Geschäfte die schon in Homoine
getesteten Matschboden-ohne-Loch-umzäunten-Felder.

Nach der kurzen Besichtigung trafen wir uns im Büro des Direktors, um
unsere beiderseitigen (anscheinend vorher noch nicht geklärten) Anliegen
auszutauschen. Außer uns und dem pädagogischen Direktor war auch
der für die Tischlerei zuständige Meister anwesend. Es stellte sich
heraus, dass die geschriebene Holzliste zwar angekommen war, jedoch nicht weiter
verfolgt worden war. Auf die Frage, ob die Schule überhaupt ein generelles
Interesse an dem von uns vorgeschlagenen Kicker habe, kam der Wunsch, eventuell
einen Billardtisch zu bauen. Aufgrund der notwendigen Granitplatte wurde diese
Idee wieder verworfen und gemeinsam diskutierten wir über die Umsetzung
des Kickers.
Nach dieser ersten Kontaktaufnahme durften wir endlich auch die Tischlerei
besichtigen. Eine riesige Halle mit acht alten (aus den Sechzigern) stammenden
wackeligen heruntergekommen Werkbänken. Die Maschinen waren in einem zwar
nicht guten aber passablen Zustand. Es gab eine Tischfräse, eine kombinierte
Abrichte mit Dickenhobel (mit offenen Antrieb), eine Drechselbank ohne Schutz
(wofür sich der Meister einige Male entschuldigte), ein Kettenstemmgerät
und eine Standbohrmaschine ohne Futter. Das Handwerkzeuglager sah auf den ersten
Blick auch noch ganz gut aus. Mit dem Werkstattmeister sprachen wir die Werkzeugfrage
ab und ob auch alles Notwendige da war. Anschließend war Mittagspause
mit Mittag. Wir bekamen Reis mit einer Suppe.
Um 14.00 Uhr sollte die Arbeit anfangen. Als wir in die Werkstatt kamen wurde
schon heftig gewerkelt. In Gruppen waren die Schüler dabei Türblätter
zu bauen. Einfache Kassettentüren mit Schlitz- und Zapfenverbindungen,
wie wir sie schon des öfteren in identischer Bauweise in Mosambik gesehen
haben. Leider waren die Stöße so ungenau gearbeitet, das entweder
der Zapfen viel u lang war und bis zu 1 cm Luft klaffte oder die Bretter unterschiedlich
hoch waren und mit dem Schinder angepasst werden mussten. Alle anwesenden Schüler
waren im dritten Lehrjahr, umso mehr erschrecken konnte uns diese ungenaue
Tischlerarbeit. In den nächsten Tagen erfuhren wir einige Gründe
für diese Herangehensweise. Zum einen war es schwierig mit dem Werkzeug
genau zu arbeiten, weil zum Beispiel das Sägeblatt eierte, zum andern
schien der Werkstattmeister nicht wirklich darum bemüht sein Wissen weiter
zu geben.
In der Werkstatt arbeiteten neben den ca. 20 Jungen auch etwa sechs Mädchen
mit, eine relativ hoher Anteil. Irgendwann kam der Werkstattmeister dazu und
wir dachten, die Arbeit könne beginnen. Jedoch mussten erst noch die Schüler
gefunden werden, die wirklich mit uns drei Tage am Stück arbeiten konnten,
damit das Projekt nicht immer neu angesetzt werden musste und von beiden Seiten
die gesamte Entwicklung des Kickers miterlebt werden konnte. Es fanden sich
etwa 10 Schüler, die auch für die nächsten zwei Tage freigestellt
wurden.
In dem Aufenthaltsraum kamen wir zusammen und begannen den Kicker, den auch
die mosambikanischen Schüler gern bauen wollten, zu entwerfen. Die Frage
der Verbindungen musste geklärt werden. Anhand eines einfach skizzierten
Kickers klärten wir dies. Michael stand vorne und fungierte als Vermittler, Übersetzer
und Tischler. Christopf, ein mosambikanischer Schüler, ging nach Meldung
einfach so nach vorne und zeigte an der Skizze welchen Teil des Tisches (die
Eckverbindung des Fußgestells mit Zarge) er meinte und zeichnete daneben
eine Schlitz- und Zapfenverbindung. Alle verstanden und alle fanden, dass dies
eine gut Idee war. Nur über die Lände des Zapfens gab es zunächst
zwei Meinungen. Der Werkstattmeister kam hinzu und zeichnete die Musterlösung
mit zwei sich auf Gehrung treffenden Zapfen an. Angenommen. Dann ging es um
die Verbindung des Kastens. Wir einigten uns aus Stabilitätsgründen
auf Schwalbenzinken, zwar hatten die mosambikanischen Schüler dies noch
nicht gemacht, aber sie kannten diese Verbindung aus einem Lehrbuch.
Am längsten überlegten wir, wie der Kasten mit Platte auf dem Fußgestell
(am besten später auseinandernehmbar) sicher liegen könnte. Als erstes
kam der Vorschlag, einfach stumpf die beiden Teile des Tisches aufeinander
zu nageln oder zu schrauben. Wir fanden diese Idee nicht so schön, außerdem
würden die Schraubenköpfe auf dem Spielfeld beim Spielen den Balllauf
stören. Nach bedrücktem Schweigen kam unser Vorschlag, den Kasten
einzufälzen und über das Fußgestell zu stülpen. Ein anderer
Vorschlag kam, dies mit Metallwinkeln zu machen, die Kasten und Fußzarge
zusammenhalten sollen. Könnte man machen, müsste man es nur von den
Schlossern nebenan anfertigen lassen oder dort ein kleines Praktikum machen
um sie selbst zu bauen. Eine spannende Exkursion wäre es für uns
alle gewesen. Aber weil wir Tischler sind, entschieden wir uns für die
Falzlösung.

Die Zeit war vorangeschritten und wir mussten noch das Holz besorgen. Eilig überlegten
wir uns alle zusammen die nötigen Maße. Die Größe des
Kickers wurde anhand einer dort schon vorhandenen Restsperrholplatte überlegt
und entschieden. Auf dem Pickup gings schnell los zum Holzholen auf dem Straßenmarkt.
Es sollte Kiefer sein. Die Stangen des Kickers mit den Männchen sollten
aus dem stabileren Holz Chanfuta geschnitzt werden, welches der Werkstattmeister
meinte, noch ausreichend zu haben.

Tag
18
Massinga Kicker
Wir bekamen Brot mit Marmelade. Für einige von uns ein Fest, denn
sie hatten schon die ganze Reise vergeblich nach Marmelade Ausschau gehalten.
Konnten allerdings nicht ahnen, dass es diese in nur Dosen gab. In einer
Riesendose, die der Direktor, wie auch immer, mit einem Messer aufmachte.
Hinzu gab es ein Hafergetränk: Heißes Wasser mit Milchpulver
hinzu kommt Milo, das Haferpulver, und Zucker. Christine H. hatte zuvor
schon beschlossen lieber im Bett zu bleiben. Als der Direktor davon erfuhr,
schickte er nach unserem Frühstück zwei Frauen zu ihr, die ihr
alles ans Bett brachten und nicht weggingen, bis Christine ihre Brötchen
gegessen hatte.
Wir fingen um kurz nach 7 Uhr mit dem Arbeiten an. Um alles zu schaffen,
teilten wir uns in drei Gruppen. Eine Gruppe für das Zargengestell,
eine für den gezinkten Kasten und eine für die Stangen mit den
Figuren.
Im Folgenden kann ich eigentlich nur von meiner Gruppe berichten, da
ich die Prozesse in den anderen Gruppen während unserer Arbeit
nicht verfolgen konnte.
Wir waren hauptsächlich zu dritt. Christopf und Laurent waren beide
schon im dritten Lehrjahr und wurden vom Meister bei vielen Sachen „bevorzugt“.
Sie machten oft Sachen für die anderen Schüler an den Maschinen
und waren somit weiter als die anderen.
Um anfangen zu können brauchten wir das vom Meister versprochene Chanfuta.
Allerdings war der Meister nicht da und wir konnten nichts finden. Uns
auf Grund der Sprache nicht verständigen könnend, standen wir
da, während die anderen loslegten. In meinem Heft fingen wir an, die
Stangen in Durchmesser und Länge zu planen. Unser Problem war die
Dicke und Länge der Bohlen. Die meisten Bohlen betrugen nur etwa 27
mm, ausgehobelt also noch weniger. Wir hatten aber einen Durchmesser von
30 angedacht, um eine stabile Stange zu erhalten. Schließlich kam
der Meister und genehmigte uns drei Chanfutastücke, die wir irgendwo
in der Werkstatt fanden. Froh nun endlich loslegen zu können und etwas
zeigen zu können, zogen die beiden Jungs damit schnell ab zur „Tischkreissäge“,
die eine umgedrehte Handkreissäge auf einem Brett war. Noch immer
schnell fingen sie gleich an, an einem Stück rumzusägen. Das
Holz war nur zu dick für die Kreissäge, die Schnitte sollten
ohne Anschlag gemacht werden und schon gleich auf Fertigmaß gesägt
werden. Zudem fiel noch nicht auf, dass das Holz nur für drei statt
acht Stangen langen würde. Schließlich gaben die beiden an der
Kreissäge auf und flitzten zum Dickenhobel um es auf die gewünschte
Stärke zu bekommen. Dort stoppte das ziellose Geschnippel, nachdem
wir doch beschlossen, erstmal das Holz für alle Stangen zu besorgen.
Mit dem Meister ging´s in das Holzlager (ein umfunktioniertes Lehrerklo).
Schwierig war es eine geeignete Bohle zu finden. Doch nach einer Viertelstunde
war auch diese Hürde geschafft und es konnte losgehen. Die Chanfuta-Bohle
wurde an der Abrichte besäumt. Dieser Vorgang lief so ab, dass ein
Lehrling das Stück Holz solange auf der Abrichte hin und her schob,
bis eine annähernd gerade Kante entstand. Hin und her soll heißen,
dass die Bohle auf laufender Messerwelle hin und auch zurück gezogen
wurde! Anschließend installierten wir einen Anschlag (wohlbemerkt,
es gab keinen; weder Parallelanschlag noch Queranschlag (unverständlich)
aus einem Brett und Zwingen an der Kreissäge. So konnten aus der Bohle
schon mal annähernd quadratische Stangen geschnitten werden, die
gleich darauf noch mal durch den Dickenhobel gesteckt wurden

.
Nun mussten wir aus Quadratisch Rund machen. Über die Methode, wenn
auch für beide Seiten Neuland, waren wir uns einig: an der Stirnseite
zeichneten wir aus dem Quadrat ein Achteck und rissen die Einteilungen
auch an den Längsseiten an. Ich fing erst an auszumessen und mit einem „ Richtscheit“ die
wegzuhobelnden Stellen zu kennzeichnen. Da zeigten mir gleich die Jungs,
dass man dies doch einfach so mit der Hand als Anschlag und den Bleistift
in der steifen Hand anreißen kann. Klar! Stolz zeigten sie mir diesen
Trick noch einige Male. Ich musste nachmachen und fix waren alle Stangen
angerissen. Nun der schwierigste Teil: das Hobeln. Mühsam organisierten
wir uns einen Stanleyhobel (in der Werkstatt gab es zwar viele Hobelkörper
jedoch alle ohne Messer). Schließlich rückte der Meister ein
neues noch verpacktes Eisen mit dem Namen „Stanley“ aufgedruckt
raus. Die Jungs freuten sich sehr über das neue Eisen. Ohne es zu
schärfen, setzten sie es gleich ein. Anscheinend galt dieser Moment
als der schärfste des Hobeleisenlebens. Nach nur einigen Stangen war
das Eisen jedoch schon extrem rund. Die Qualität des Eisens bzw. des
Stahls ließ sehr zu wünschen übrig. Ob dritte Wahl oder
Face, es war einfach nur schlecht und für dortige Verhältnisse
für teures Geld gekauft. Dies macht wütend.

Als zweites Werkzeug hatten wir einen Schinder. Beide Werkzeuge kannte
ich zwar, hatte aber noch nie mit ihnen gearbeitet. Los ging´s, allerdings
nur zu zweit, aufgrund der mangelnden Werkzeuge: Stange an einem Ende irgendwo
locker gegengestemmt anderes Ende mit der Hüfte gegengehalten. Christopf
hatte den Stanley, ich den Schinder. Die Methode funktionierte wunderbar
und auch die Art der Werkzeuge war dafür bestens geeignet. Nach einer
halben Stunde waren die ersten beiden Stangen fertig und sie waren sogar
schon annähernd rund. Wow! Einer von uns beiden machte weiter, während
ein anderer „neuer“ sich auch probierte. Noch einige Male wurde
mir von Laurent etwas demonstriert, dann hatten wir uns eingespielt; der
Stanley fürs Grobe und der Schinder anschließend fürs
Feine.

Am Abend fingen wir an, uns Gedanken über die Figuren zu machen. Wie
sollten sie aussehen und vor allem wie befestigt werden? Noch am Morgen
hatten wir beschlossen sie zu drechseln. Doch der Durchmesser wäre
nicht aus den Bohlen herauszuholen gewesen. Und wie hätte man sie
befestigen sollen? Die Idee sie mit einem Loch zu versehen, gestaltete
sich als schwierig, jedenfalls mit den vorhandenen Mitteln. Also beschlossen
wir mittels Zeichensprache und Heft die Figuren zu teilen und von beiden
Seiten an die Stange zu dübeln. Nicht wirklich zufrieden stellend,
da sie sich bestimmt irgendwann drehen und auseinander fallen würden.
Immerhin beschlossen wir die Positionen der Spieler auf den fertigen Stangen
anzureißen. Neue Probleme tauchen auf, denn die Stangen waren halt
schon rund und wie nun die Spieler in einer Reihe gleich aufstellen- ohne
ein definiertes oben und unten. Na ja, am nächsten Morgen sollte
es weiter gehen.
Auch die anderen Gruppen waren fortgeschritten. Die Zargen mussten nur
noch verleimt werden und die Seiten des Kastens waren bereits alle vier
mühsam in der Breite verleimt. Sogar das Zinken hatte schon begonnen.
Trotzdem merkten wir schon, dass die Zeit am nächsten Tag knapp werden
würde.
Am Abend bekamen wir die zweite warme Malzeit am Tag: Sägefisch in
leckerer Soße mit Reis. Danach war nicht mehr viel los. Kurzes gemeinsames
Zusammensitzen auf den Betten im Mädchenzimmer bei einer Petroleumlampe,
dann mussten alle Kranken und fast alle Arbeiter in Bett: bis auf Christopf
und Michael. Die beiden wurden vom „Schulsprecher“, der sich
um uns die ganze Zeit kümmerte, in die Stadt eingeladen. Im Dunklen
taperten sie in die Stadt, in eine Bar. Leider war es jedoch mitten in
der Woche. So saßen nur wenige Menschen im eigentlich gut besuchten
Schuppen mit krassem Barkeeper. Deshalb waren die drei auch schon schnell
wieder zurück.
Tag 19
Massinga Kicker2
Uaah, aufstehen, der Versuch von Eimerwaschen, fix anziehen und ab zum Frühstück
mit Brötchen und Marmelade.
Um sieben Uhr starteten wir.
Die Frage der richtigen Befestigung der Figuren stand noch immer im Raum. Schließlich
kamen wir draußen vor der Werkstatt im Sand bei Sonne auf die Idee einer
einfachen eckigen Überblattung. Die Stangen mussten also eingekerbt werden.
Darauf sollten die Spieler gesteckt werden. Wir beschlossen die Figuren aus
einem Stück zu machen, indem sie einen Schlitz bekommen sollten, quasi
wie eine alte Wäscheklammer. Der Schlitz sollte oben sein und später
mit Bolzen, Draht oder Tau zusammengehalten werden. Die Füße sollten
keilig geschnitten werden und die ganze Figur quaderförmig.
Soweit so gut. Zunächst wieder das Problem der Holzbeschaffung. Wir versuchten
aus unseren Resten unsere 22 Stücke zu bekommen. Es klappte.
Mittlerweile hatten wir heraus, dass die Kreissäge sehr wohl höhenverstellbar
ist, der Meister hatte dies seinen Schülern im dritten Lehrjahr nur noch
nicht gezeigt. Unverständlich.
An der Kreissäge installierten wir wieder einen Anschlag und schnell und
genau hatten wir die gewünschten Leisten. Schnell ging´s auch am
Dickenhobel, wir zeigten noch, dass es ganz gut ist, gleiche Leisten jedenfalls
am Schluss mit nur einer Einstellung durchzuschieben, um keine Ungenauigkeiten
zu erhalten. Nur das Ablängen musste noch mit der Hand geschehen. Begeistert
wurde nach der mitgebrachten Astsäge von Michael gefragt. Ehrlich aber
auch besser als die Feinsägen fast ohne Zähne. Kleiner Wettbewerb
am Rande, wer ist schneller?
Bei der Zinkgruppe musste allerdings auch mit diesem Werkzeug gearbeitet
werden. Auch die in Massinga neu gekauften Stecheisen waren keine Hilfe.
Zuerst mussten
sie nämlich noch lange geschärft werden, denn die abgeplattete Schneide
hatte eine Breite von 1mm (!). Das Schärfen macht meistens der Meister.
Hierzu benutzt er einen recht großen, weichen Abziehstein mit Altöl!
Die Schüler mussten es meist noch lernen. Nach nur einigen Schlägen
mit einem Stück Holz (kein Hammer, darauf achtet der Meister), flogen
manchmal schon die Hefte von den neuen Eisen!
So geschah das Zinken nur mühsam. Vor allem die Mädchen hatten aber
genug Ausdauer. Am Ende kamen Zinken und Schwalbenschwänze raus. Beim
Anpassen haperte es noch gewaltig. Auch sahen die Ergebnisse nicht so sauber
aus. Die heftigen Ausrisse und Ungenauigkeiten konnte man aber auf das Werkzeug
zurückführen. Schluss- und letztendlich wurde noch etwas nachgestemmt
und die Verbindung hielt auch.
Während des Tages wurden auch die Zargen mit Zapfen auf Gehrung (!) verleimt.
Nur bei meiner Gruppe musste noch einiges geschehen.
Ein Teil machte sich daran die Schlitze in die Figuren mit dem Kettengerät
zu stemmen, die anderen begannen mit dem Anreißen und Ausstemmen der
Stangen.
Das Anreißen an runden Stangen gestaltete sich als äußerst
schwierig:
Als erstes musste man einen durchgängigen Strich Oben bestimmen, dann
ein Unten und zwar: Schneidermaßband zur Hand, Umfang messen und die
Hälfte dessen als Unten definieren. Als Zweites den stehengebliebenen
Teil oben und unten abtragen und schließlich noch die seitlichen Begrenzungen
abmessen. Die Auszustemmenden Seiten ordentlich markierten und ab zum Ausstemmen.
Die Arbeit des Anreißens machte ich mit einem Mädchen. Einige Male
mussten wir es gemeinsam machen, einige Male erklärte ich und so schritten
wir langsam voran. Sie war sehr genau und jedes Mal, wenn sie den Bleistift
ansetzte, fragte sie noch mal nach, obwohl eigentlich alles klar war. Aber
so nebeneinander auf der Treppe draußen war es sehr gemütlich und
machte total Spaß. Später als wir dachten fertig zu sein, fanden
wir noch eine Stange. Laurent setzte sich neben mich und wir zeichneten noch
mal an. Gleich im Anschluss zeigte er mir dann, wie man die Stangen ausstemmt,
was ich noch nicht gemacht hatte
Die Spieler waren soweit auch schon fast fertig. Sie mussten nur noch ein
wenig nachgestemmt werden (ein Fehler im Nachhinein, denn die runden
Ecken vom Stemmgerät
wären viel stabiler gewesen und würden so nicht so schnell einreißen).
Nachdem auch dies geschehen war, mussten die Figuren noch angepasst
werden. Jede bekam schon einen Platz. Auch Blanka versuchte sich.
Nicht schlecht.
Leider rissen einige Male die Figuren. Auch unsere drei Überschussfiguren
konnten dort nicht langen. Wir mussten die Risse mit dem schlechten
arabischen Leim
leimen und trotzdem verwenden.
Langsam wurde die Zeit verdammt knapp. Der Kasten war noch nicht
verleimt und die Verbindung musste noch nachgearbeitet werden, die
Tore waren
noch nicht
ausgesägt und vieles mehr. Christine machte sich an die Zinken. Felix
und Michael versuchten sich an der Stichsäge mit Kabel, aber
ohne Stecker. Augen zu und die Kabelenden so in die Steckdose.
Oh man, aber alles gut gegangen. Tore drinnen.
Nun mussten noch in die Seiten die Löcher für die Stangen. Der Bohrer
war ein Handbohrer an dessen Ende ein „Forstnerbohrer“ mit einer(!)
Klinge und einer Zentrierspitze ist. Was erstmal eigenartig klingt, ist ganz
gut, denn die Klinge kann man auswechseln. Und nicht nur das, man kann sie
auch in der Breite verstellen. Das heißt, man bekommt jeden Durchmesser
bis 40 mm hin. Der Haken ist nur, dass dies sehr kraftaufwändig ist und
eigentlich einer sicheren Führung bedarf. Doch die Ständerbohrmaschine
hat kein Futter mehr. Ein Schüler kämpfte sich tapfer durch alle
16 Löcher, bestaunt von den anderen. Nun war alles soweit, dass
es ans Verleimen gehen konnte.
Zum ersten Mal kamen alle drei Gruppen zusammen. Wir stellten fest,
dass wir noch eine kleine Änderung vornehmen mussten. Als wir jedoch an die Kreissäge
wollten, ging sie nicht. Der Grund war, dass der Generator, von dem wir die
ganze Zeit mit Strom versorgt wurden, keinen Diesel mehr hatte. So kurz vor
Ende. Doch es wurde jemand in die Stadt geschickt um Diesel zu holen. Dabei
wurde es allerdings immer dunkler. Es war auch eigentlich schon Feierabend,
so dass einige Schüler gingen. Andere wiederum von den anderen angeschlossenen
Schulen kamen neugierig. Der Dieselhohler bemühte sich und kam schnell
wieder. Schnell taten wir unsere zwei Schnitte und fingen an den Kasten zu
verleimen. Es wurde dunkler, aber keine Lampe funktionierte. Der Meister trieb
Lampen auf und mit einigen Schülern setzte er Stück für Stück
die Lampen wieder in Gang. Höchste Zeit, zumal auch beim Verleimen nicht
alles klappte. Nervös und hippelig zwangen wir den Kasten und
setzten ihn auf das Zargengestell. Nicht ganz passend, musste es
so
gehen.
Neugierig und erwartend kamen jetzt noch die Stangen herein und die
Spieler wurden aufgesetzt… und es sah wirklich so aus wie ein
Kicker. Es sah nicht nur so aus, er funktionierte sogar. Nur die
Spieler mussten
noch angeleimt
werden und mit dem Tau gespannt werden. Die konnten wir allerdings
mit den langen Leimzeiten nicht mehr machen, so testeten wir nur
mit den
stramm sitzenden
Spielern.
…
.. Der Meister warf seinen Ball ins Spiel. Er hatte ihn am Nachmittag zuvor
gedrechselt und mühsam rund geschliffen. Der Meister, der uns ein wenig
suspekt und grimmig vorkam, anschienend zur Kooperation gezwungen, … warf
seinen Ball ins Spiel und strahlte und freute sich als sein Ball rollte und
von den Figuren hin und hergestoßen wurde.
Wir und die anderen Schüler auch.
Und nach einigen wirklich netten Abschlussreden verabschiedeten
wir uns.
Tag19
Fahrt nach Maputo
Gleich früh morgens brachen wir geschlossen auf um in den Machibombo
nach Maputo zu gelangen. Der Pickup der Schule brachte uns in alt bewährter
afrikanischer weise dann noch zum Bus und der Fahrer verhandelte dann mit dem
Busfahrer noch einmal den Feststehenden Preis. Blanca und Tine stiegen dann
nach etwa zwei Stunden in Inhambane wieder aus. Der Rest unserer Gruppe war
dann etliche weitere Stunden auf dem Weg über Staubpisten, vorbei an verunglückten
Lastwagen und zerstörten Autos am Wegesrand, vorbei an wunderschönen
Bananen und Orangen Plantagen um dann endlich in wieder in Maputo an zu kommen
wo wir von Celina vom Bus abgeholt wurden um die Nacht bei Ihr und Raffael
im Haus zu schlafen, da unserer Bus nach Swaziland am nächsten Tag morgens
sehr früh wieder weiter fuhr. Wir verlebten einen sehr schönen Abend
bei Bier und guter Mosambikanischen Küche mit der Familie und später
kamen dann auch noch Caspar und ein weiterer Freund von Raffael vorbei. Ob
der früh herein brechenden Dunkelheit gingen wir dann auch relativ zeitig
zu Bett.
Tag 20
Fahrt nach Swaziland
Pünktlich zum Hahnenschrei kamen wir alle aus den Federn, denn heute
sollte es jetzt ja nach Swaziland gehen. Nach einem Kaffee, den wir Celina
nicht ausschlagen
konnten, machten wir uns dann auch in Ihrer und Michaels Begleitung auf den
Weg um das Chapa nach Manzini zu bekommen und noch rechtzeitig zu unserer vorreservierten
Backpackers Lodge zu gelangen.
Die Fahrt entlang der neuen Straße via Goba nach Swaziland entpuppte
sich zu unserem Glück als sehr angenehm und komfortabel, nur Christine
H. konnte leider die Fahrt nicht ganz so genießen, da sie an diesem
Tag, so wie schon vor ihr so manchen anderen unserer Reisegruppe, die Tropenreisenden
Krankheit befiel. Schon in Swaziland war dann kurz hinter der Grenze der
erste
Militärposten, an dem wir alle aussteigen mussten und wo dann unser,
beziehungsweise viel mehr noch das Gepäck unserer Mosambikanischen Mitreisenden,
untersucht wurde, ob in diesem nicht vielleicht ein lebendes Tier enthalten
sei, da die
Einfuhr eines Solchen in Swaziland aufgrund der Maul und Klauenseuche verboten
ist.

In Manzini angekommen, suchten wir uns zunächst ein kleines Restaurant
um dem Trubel des Busbahnhofes zu entkommen und uns etwas von der einheimischen
Währung Emalangeni zu besorgen. Nach einem stärkenden Kaffee und
einer kleinen Erholungspause machten wir uns dann im Chaos des Busbahnhofes
auf die Suche nach dem passenden Minibus für unsere Weiterfahrt zum
Mlilwane Wildlife Sanctuary, welches wir nach einigem hin und her dann auch
erfolgreich
gefunden haben. Von der Hauptstraße wurden wir dann von einem Mitarbeiter
des Sondzela Backpackers abgeholt und fuhren mit diesem in einem VW Bus mitten
in die Wildnis zum wunderschön gelegenen Backpackers. Auf Grund des
sich zunehmend verschlechternden Zustands Christines brachen wir zu dritt
noch ein
Mal auf uns in ein Krankenhaus zu begeben, welches wir dann pünktlich
zum Einbruch der Dunkelheit auch erreichten. Die sehr moderne Privatklinik
war nur leider sehr ab vom Schlag und wir mussten, als die Behandlung und
Blutabnahme beendet war, noch auf einen von der Schwester gerufenen Freund
mit seinem Auto
warten, da, wie uns erklärt wurde, die Straßen des Nachts in Swaziland,
besonders für Helle wie unsereins, nicht besonders sicher wären.
Nach überstandener Tortur und um einige Emalangeni leichter waren wir
sehr froh, endlich wieder im Backpackers zu sein und uns dem wohl verdienten
Abendessen und der Nachtruhe hingeben zu können.

Tag 21
Swaziland
Nachdem wir endlich mal wieder so richtig ausgeschlafen haben, sind wir
heute auf eine kleine Erkundungstour gegangen und haben uns den Mlilwane
Park ein wenig angesehen und die ersten Eindrücke vom afrikanischen
Wildleben bekommen. Warzenschweine, Zebras und Antilopen liefen uns ganz
ungeniert vor die Linse und die größeren Vertreter schienen
auch keinerlei Furcht mehr zu haben vor den Menschen, im Wissen, dass sie
von uns Touristen nichts zu befürchten hätten. Nach einer Stärkung
unternahmen wir dann auch noch eine kleine Wanderung über ziemlich
unwegsame Pfade in einem großen Bogen um den Hippo-pond, um dann
die Mädels rechtzeitig zu ihrem Ponyreiten im Hauptlager wieder abzuliefern.
Da auch Felix noch nicht wieder ganz genesen war, begaben wir uns wieder
zurück zu unserer Traumlodge, frönten einem kühlen Bier
und legten uns zum Lesen in die Sonne. Während wir nun so friedlich
da lagen, stürmten zwei dreiste Strauße in den Garten und belästigten
die anderen Gäste am Pool, woraufhin diese sich die bösen Blicke
der Wärter und ein paar Tritte einfingen. Als die drei Mädels
wieder vom Reiten zurück waren, aßen wir noch einmal gemütlich
zu Abend und Christine, der es ja auch schon wieder bedeutend besser ging,
erhielt ihre Entwarnung vom Krankenhaus, dass es keine Malaria sei. Den
Abend verbrachten wir dann bei etlichen Bier gemütlich ins Gespräch
vertieft zurückgelegt am Lagerfeuer.

Tag 22
Swaziland
An diesem Tag brach ich früh auf, um die große Wanderung auf
den 3750ft hohen Berg des Parks zu machen. Nach zügigem und von einigen
Umwegen begleiteten Aufstieg konnte ich dann einen traumhaften 360° Blick über
das ganze Tal genießen und lernte nebenbei auch noch zwei Weltenbummler
auf dem Gipfel kennen, die alle beide nun schon seit über einem Jahr
in der Welt umherreisten. Mit diesen beiden bestritt ich dann auch den Abstieg
und wir saßen alle samt noch einmal am Abend gemütlich ums Lagerfeuer.
Tag 23
Fahrt zurück nach Maputo
Am Morgen ließen wir uns vom Shuttle des Backpackers mit einigen Anderen
wieder zur Hauptstraße fahren und sind dann mit dem nächsten Minibus
wieder nach Manzini gefahren. Von dort wollten wir auf dem Weg zurück
nach Maputo noch einmal in einem der Big Game Parks eine Großwild Safari
machen. Als wir jedoch von dem Minibus Fahrer an der falschen Stelle abgesetzt
wurden und noch 2 km hätten laufen müssen um den Park zu erreichen
und dann auch noch feststellten, dass wir aufgrund von gruppeninternen Kommunikationsschwierigkeiten
sogar an der Straße zu dem falschen Park standen, beschlossen wir einfach,
direkt mit dem nächst möglichen Bus nach Maputo zu fahren, wo wir
dann am späten Nachmittag auch eintrafen und die Gruppe dann nach über
einer Woche auch endlich wieder gänzlich vereinigt war. Wir aßen
mit Eugenio und Herrn Langer noch einmal gemütlich zu Abend und schmiedeten
Pläne für die nächsten Tage.
Tag 24
Maputo
Als ich aufstand, waren einige schon unterwegs, andere schliefen noch.
Heute hatte jeder etwas anderes vor. Den Tag mit Lesen und Tagebuch schreiben
verbringen, die Makondeschnitzer an der Costa del Sol treffen, einen Workshop
im Nucleo de arte besuchen, schon mal Mitbringsel für die Daheimgebliebenen
kaufen oder so wie ich endlich mal etwas von Maputo sehen.
So zogen wir drei Mädels - Annika, Christine und Christine - nach
dem Frühstück los. Der Plan: Mit dem Chapa bis Museo, dem zentralen
Busbahnhof, fahren und von dort zu einem Laden laufen, der Carpulanas (traditionelle
gewebte Tücher, die man für fast alles benutzen kann) verkauft.
Danach in die Baixa hinunter spazieren, um dort einer vom Reiseführer
empfohlenen Tour entlang der Sehenswürdigkeiten dieses Stadtteils
zu folgen.
Leichter gesagt, als getan, da wir den Laden nur im Vorbeilaufen einige
Tage zuvor gesichtet hatten und unsere Orientierung in Maputo eher bescheiden
war. Unser Umherirren führte uns durch ein sehr nettes wohlhabendes
Wohnviertel mit vielen Bauten aus der Kolonialzeit, entlang eines Parks
mit Meerblick und durch einige Seitenstrassen, die die großen Nord-Süd
Achsen der Stadt miteinander verbinden, in denen wir hübsche kleine
Klamottenläden fanden, dann schließlich doch zum Ziel an der
Ecke 24. Juli Ecke Karl-Marx. Ein lohnender Ausflug also. Die überwältigende
Tüchervielfalt hier führte Annika dazu, ga
r nichts zu kaufen
und mich dazu, dass ich mit 15 Carpulanas beladen den Laden verließ.

Nun nichts wie los zur Kathedrale, dem Startpunkt unseres Altstadtspaziergangs.
Der Weg? Ein Kinderspiel für uns, sind wir ja auf dem Hinweg schon
vorbeigekommen. An dem beeindruckenden, strahlend weißen, für
meinen Geschmack etwas zu eckigen Sakralbau erwartete uns eine Enttäuschung,
Mittagspause. Na gut, da schließen wir uns einfach an und lassen
uns auf den schattigen Stufen der Kirche nieder um etwas im Reiseführer
zu schmökern. Natürlich blieben wir nicht lange alleine, denn
einige Souvenirverkäufer hatten uns bereits entdeckt, ihnen war aber
schnell klar, dass wir nicht in ihre Kundenzielgruppe passten und so verstreuten
sie sich wieder. Einer blieb bei uns, ob in der Hoffnung doch noch etwas
zu verkaufen oder, weil sonst nichts zu tun war, sei dahingestellt. In
jedem Fall entwickelte sich ein Gespräch und zwar, aufgepasst: auf
Portugiesisch! Das erste mal, dass wir in der Lage waren ohne Englisch
und Deutsch einigermaßen sinnvoll zu kommunizieren.
Die Kathedrale hatte immer noch zu, so beschlossen wir, das auf der anderen
Seite des Kreisverkehrs gelegene Rathaus zu besuchen. Das große ziemlich
graue Sandsteingebäude zierten einst die Worte hier ist Portugal,
nun dient es als Verwaltungsgebäude für die Regierung Maputos.
Der Eingangsbereich stellt Modelle der Stadt zu verschiedenen Zeiten aus.
Von der kleinen beschaulichen Kolonialsiedlung hin zum großen Umschlaghafen
wurde uns die Geschichte Maputos von einem sehr freundlichen Mitarbeiter,
der aber leider auch kein Experte auf dem Gebiet war, veranschaulicht.
Schon beim Verlassen der dunklen Rathausmauern strahlt uns das Weiß des
französisch - mosambikanischen Freundschafts- und Kulturzentrums entgegen.
Nur mal kurz reinschauen? Warum nicht. Eine Ausstellung französischer
und mosambikanischer Comiczeichner fand unsere Aufmerksamkeit und kleine
Kunstobjekte und Bilder erhielten die Spannung beim Erkunden dieser freundlichen
Räume. Das nette kleine dazugehörige Cafe kam dann wie gelegen
um unseren Kaffeedurst und unseren Hunger zu stillen. Vom Kaffeetisch aus
fiel unser Blick auf einen bunt dekorierten Eckladen, der uns die Kathedrale
und den Stadtrundgang glatt vergessen ließ. Hier gab es so ziemlich
alles, was sich aus Carpulanas herstellen lässt, von der Handtasche
bis zum Abendkleid. Entzückt funktionierten wir eine Kleiderstange
als Umkleidekabine um und probierten was das Zeug hält, um dann schlussendlich
wieder zu dem Carpulanaladen zu laufen, uns passenden Stoff zu suchen,
diesen dann zurück zu dem Laden beim Kulturzentrum zu tragen. Der
Verkäufer dort machte uns nämlich das großartige Angebot,
di
e grandiosen kurzen Faltenröcke, in die wir uns verguckt hatten,
passend für uns herzustellen. Toll.
Leider war der Tag fast vorbei, als wir uns aus dem Laden loseisen konnten
und wir konnten die restlichen Sehenswürdigkeiten nur noch im Schnelldurchlauf
bei Einbruch der Dämmerung betrachten, da wir ja schon um sechs im
Backpackers mit unseren Bekanntschaften aus Swasiland verabredet waren.
Die kamen dann allerdings erst später, weshalb sich das Treffen auf
ein gemeinsames Abendessen beschränkte. Völlig beflügelt
durch unseren entspannten Tag, stiegen wir dann sehr selbstbewusst erst
mal in das falsche Chapa, welches uns dann in den verrufenen Stadtteil
Xipamanine brachte. Da wir aber von dem schlechten Ruf nichts ahnten, weil
wir ja gar nicht wussten, in welchem Stadtteil wir sind, fragten wir einfach
jemanden um Hilfe und landeten sicher an der Haltestelle Museo. Von dort
aus fuhren wir heute zum ersten Mal mit dem großen Bus nach Hause.
40 Minuten Qualen für Füße, Arme, Nase und Ohren. Ein schöner
Tag.
Tag 26
Maputo
Heute lief eine Menge schief. Eigentlich klappte gar nichts wie geplant.
Als Felix, Michael und ich den Fisch für das gemeinsame Abendessen
bei Raffaels Frau Celina kaufen wollten, wurden wir von der Polizei aufgegriffen.
Zum ersten mal ohne Reisepass unterwegs.
Rainer und Eugenio hatten im Ministerium auch einige Probleme - erst keinen
Beamer, dann eine Notkonferenz des Ministers, zu der viele Personen mussten,
die auch zu dem von Rainer und Eugenio geplanten Treffen kommen wollten.
Zusätzlich noch drei Schüler aus den Händen der Polizei
befreien und die Flüge bei der Fluggesellschaft am anderen Ende der
Stadt bestätigen. Während Felix und ich die letztere der Aufgaben übernahmen,
wurde das Meeting im Ministerium auf den nächsten Tag verlegt und
Michael besorgte den Fisch für das Abendessen alleine. Bevor wir uns
dann alle am frühen Abend wieder trafen, gönnten Felix und ich
uns noch einen letzten Spaziergang am Strand von Maputo, Felix erstand
einen schönen Ältestenstock aus Ebenholz.
Den Abend verbrachten wir dann bei Raffael und Celina zu Hause, die Männer
tranken Bier, die mosambikanischen Frauen kochten und die deutschen Frauen
taten ihr Möglichstes, beide Gruppen beim Erfüllen ihrer Aufgabe
zu unterstützen. Das Kochen hier ist echt eine Herausforderung und
wir wurden auch herzlich für unsere Versuche, den Fisch zu portionieren
oder die Kokosnusssauce aus ganzen Kokosnüssen herzustellen, ausgelacht
und Celinas Nachbarin Theresa nahm wieder davon Abstand eine von uns mit
Ihrem Bruder zu verheiraten. Um halb zwölf war dann der extra von
den Nachbarn geborgte Tisch beladen mit Schüsseln voller Köstlichkeiten:
Fisch frittiert, gegrillt und in Sauce gekocht, Chamosas und Rissois, Maniok,
Reis und Pommes, Salat und vieles mehr. Trotz der Hilfe vieler Besucher
schafften wir es nicht alles aufzuessen. Nach einem sehr unterhaltsamen
und sinnlichen Abend fielen wir Mädels in unser schon vertrautes Bett
im ausgeräumten Jungenzimmer der Nachbarin Theresa. Morgen wollten
wir ja schließlich um halb sieben los zum Praktikum.
Tag 27
Maputo
„Seis treinta e seis“ auch wenn es nicht so buchstabiert wird,
war es das, was wir an diesem Morgen als erstes hörten. Und bevor
wir begriffen, woher es kam und, dass das portugiesisch war, begriffen
wir was
es bedeutete: wir hatten verschlafen. Während das Radio weiterhin
in unglaublicher Lautstärke dröhnte, zogen wir uns an und zwangen
uns, unter Theresas scharfen Blicken, zu einer morgendlichen Wäsche
und einem Tee mit einem Stück Brot. Die Verabschiedung von Theresa
und Celina fiel uns diesmal nicht leicht, als wir uns mit Rafael zur Haltestelle
aufmachten.
Tag 28
Maputo Praktikum in der Pandora
Annika und Christine bei Mohammed
Früh morgens stiefelten Annika, Tine und Christine C. los zum Praktikum
bei einer der größten Tischlereien in Mosambik.
Mit dem – wie immer - überfüllten Chapa fuhren wir hin
und erwischten sogar die richtige Haltestelle zum Aussteigen, durch den
Sandstrand in der Stadt stapften wir zur Werkstatt. Fast waren wir die
ersten, denn wir hatten uns in der Zeit vertan. Nicht um 7.00 sondern um
7.30 Uhr ging es los, alles wartete nur auf den Firmenbesitzer Mohammed.
Er kam in einem kleinen Jeep, begrüßte uns auf Englisch und
schloss die Werkstatt auf.
Zunächst sollten wir unsere Rucksäcke abladen, dann sollten wir
ihm folgen und er zeigte uns seine Werkstatt. Die „Lackiererei“,
sogar mit einer Pistole, den Maschinenraum und die Polsterei. Der Regen
der Nacht tropfte noch teilweise durch die Löcher des Wellbleches
im Dach auf die Maschinen und auf uns. Die Mitarbeiter hatten sich mittlerweile
umgezogen und waren schon am Arbeiten. Mohammed stellte uns Thomas vor.
Thomas war in den 1980ern für einige Jahre in der DDR gewesen, so
dass er sich einigermaßen mit uns verständigen konnte. Er sollte
weiter die Führung übernehmen, denn Mohammed hatte Geschäftliches
zu tun. Leider hatte Thomas nichts weiter für uns zu tun, also setzten
wir unseren Rundgang allein weiter fort. Wir beobachteten zum Beispiel
wie ein Schrank zum Kürzen im Ganzen über die Kreissäge
geschoben wurde. Doch die Werkstatt hatte auch noch ein Draußen.

Dort war ein Holzlager und jede Menge an kleinen Stücken von Abfall.
Eine Frau hatte mit den Abfällen einen Ofen in einer kleinen eingemauerten
Nische gemacht und kochte darauf Wasser. Wahrscheinlich für die Belegschaft.
Auf einen anderen Weg nach drinnen sahen wir in Ecken andere Maschinen
- teilweise unbekannte, teilweise kaputte.
An einem anderen Maschinenfriedhof angekommen, wurden wir gerufen. Wir
sollten mit nach vorn kommen, denn dort stand der Laster, mit dem es ins
Sägewerk gehen sollte.
Großartig. Also ab in das Fahrerhaus zu August, dem netten Fahrer
mit einem Dauerlachen. Tine versuchte zu übersetzten und die Fahrt
ging zu Viert im Fahrerhaus los.
Auf dem Weg in die Stadt, denn die Werkstatt lag etwas außerhalb,
mussten wir noch Tanken, das taten wir an der wohl flottesten Tankstelle
Maputos, der man sogar eine kleine Snackbar mit Kaffe zumuten konnte. Dann
in der Stadt schlugen wir einen anderen Weg ein, als wir dachten, der Grund
war, dass wir noch an einem anderen Haus Station machen sollten. Auf der
Straße des 24.Juni wurden wir allerdings von der Polizei aus dem
Verkehr heraus gewunken. Sie hatte wohl die Weißen vorn im Fahrerhaus
gesehen, anders war es nicht zu erklären, dass sie gerade bei uns
Stress machte. August, ein wenig ratlos, stieg aus und verhandelte tapfer.
Es kostete schließlich 300 Metical und ging in die Hosentaschen der
Polizistin. Wir durften weiterfahren. Unsere unbekannte Station war eine
Privatwohnung von Pakistanis. Sie ließen sich gerade eine neue Küche
von Mohammeds Tischlerei machen. Wir brachten die Hängeschränke,
die hinten auf der Ladefläche unter den Planen versteckt waren. Wir
durften sie sogar mit in die Wohnung im zweiten Stock schleppen. Uns machte
eine Haushälterin auf. Die ganze Wohnung war gefliest: Boden und Wände,
sogar im Schlafzimmer der Tochter. Die restlichen Bestandteile der Chanfuta
- Küche sahen sogar ganz gut aus. Alles schien zu passen und die Gestaltung
war auch gelungen.

Mehr als Anliefern war für uns nicht zu tun und so fuhren wir weiter.
Jedoch noch immer nicht zum Sägewerk. Wir hielten an einem Haus an
der Hauptstraße. Dort hatte Mohammed den gesamten Innenausbau übernommen.
Ausriss der alten Sachen, Boden, Fenster und Türen. Unsere Aufgabe
war es, den ganzen Müll mitzunehmen der im Innenhof lag. Doch leider
regnete es in Strömen. Also hatten wir noch ein wenig Zeit uns umzusehen.
Wir schauten uns oben im Haus die Arbeiten an. Einer der vier Arbeiter
dort auf der Baustelle war gerade am Schleifen (am Schleifen von Fenstern,
in denen das Fliegennetz schon eingesetzt worden war (total schwierig nun
zu schleifen)) damit das Streichen beginnen konnte. Er sprach sogar ein
wenig englisch. Er erzählte uns, dass er gerade bei Mohammed in der
Lehre war. Dann bot er mir das Schleifpapier an und ich sollte mitschleifen
am bereits montierten Fenster. Ich fing an, doch dann bemerkten wir, dass
sich unten im Innenhof etwas tat und wir mussten gehen.
August stoppte den langen Laster ran und das Beladen im noch immer strömenden
Regen begann. Warum regnet es eigentlich immer beim Be- und Entladen in
Deutschland und sogar in Afrika, verdammt. Schnell liefen wir hin und her
und die Arbeit war dann schnell getan, aber der Laster war auch voll. Wir
stellten uns sie Frage, wo nun eigentlich der ganze Müll hingeht.
Eine interessante Frage, wenn man bedenkt, dass der meiste Müll an
den Straßenrändern landet. Doch leider, als wir wieder klitschnass
im Auto saßen und diese Frage klären wollten, musste sich Tine
verabschieden, damit sie zu einem Gespräch mit einer Frauenrechtlerin
gehen konnte. Annika und ich waren nun alleine und ohne Sprachkenntnisse.
Doch nun ging es direkt zum Sägewerk.
Dort lag vor der großen Bandsäge ein Riesen-Baumstamm. Er hatte
bestimmt einen Durchmesser von 1,5 m! Das Problem war nur, dass dies der
Baum war, den wir eigentlich in Bohlen abholen wollten und dass dieser
Baumstamm ohne Maschinen bewegt werden sollte, zudem war dieser von der
Hilfsführung abgerutscht und es waren zu wenig Mann dort ihn von der
Stelle zu bewegen. Unverrichteter Dinge mussten wieder fahren.
Mohammed war in der Werkstatt nicht sauer oder so, er lud uns zu einer
Stärkung in sein Büro ein. Wir hatten allerdings selbst ein wenig
Brot und Wasser mitgenommen, so dass wir nichts brauchten. Dies zu sagen
und darauf zu bestehen, war allerdings ein Fehler. Er beharrte darauf uns
etwas bringen zu lassen, so dass wir schließlich nach langen hin
und her auf eine Cola einwilligten. Wir begannen uns über seine Firma
und unsere Arbeit in Deutschland auszutauschen. Er hatte einige Prospekte
aus England oder Indien (auf Englisch), in denen Möbel gezeigt wurden.
Diese Möbel waren Ideen für seine Kunden. Diese konnten sich
Möbelstücke aussuchen und er würde sie nachbauen. So war
es zum Beispiel auch mit der am heutigen Tag gelieferten Küche gewesen.
Um einige Prospekte zu senden, tauschten wir Nummern aus.
Nach etwa einer Stunde Austausch, es war mittlerweile Mittagspause für
alle geworden, fragten wir, ob er überhaupt soviel Zeit hätte.
Er sagte, dass er eigentlich los müsse zur Moschee in die Stadt zum
Beten. Da wir allerdings in der Zeit nichts zu tun gehabt hätten,
bot er uns an mitzukommen. Begeistert über soviel Einblick stimmten
wir zu. Doch er erklärte uns, dass die Moschee nur für Männer
sei und wir deshalb draußen bleiben müssten während des
Gebetes. Auch in Ordnung. Mit dem Jeep ging´s wieder in die Stadt
in seine Gemeindemoschee. In einer Dreiviertelstunde wollten wir uns bei
ihr wieder treffen. Um die Moschee herum hatte jedoch alles zu, so warteten
wir in einem kleinen 200m² Park mit Aidsskulptur auf ihn. Als er zum
Auto kam, hatte er seinen Bruder mit, den er nach Hause brachte. Anschließend
fuhren wir nicht wieder in die Firma, sondern zu seiner Familie zum Essen!
Ach du Grüne Neune! Wir wurden von seiner zierlichen Frau begrüßt.
Seine Frau stammt aus Kuwait. Dort ist sie aufgewachsen, hat dort studiert
und war Professorin für Anglistik. Als sie das erste Mal nach Mosambik
kam, besuchte sie ihre Großeltern und traf Mohammed. Sie verliebten
sich, sie heirateten, sie zog nach Maputo und bekam eine Tochter. Jetzt
lebt sie mit ihrem Mann in einer Dreizimmerwohnung mit Bad und Küche
in Mosambik. Wirklich glücklich schien sie nicht darüber, aber
auch nicht unglücklich. Sie sprach Portugiesisch und perfektes Englisch
(peinlich für uns). Schließlich machte sie auch noch leckeren
Salat für uns mit Orangen und Brot. Nach einer Stunde fuhren wir wieder
zurück in die Firma.
Dort wollten wir uns ein wenig in der Firma beschäftigen, bis schließlich
Michael kam, um nach dem Rechten zu sehen.
Zusammen bestaunten wir die Parolen aus der sozialistischen Zeit, die überall
an den Wänden des Hauses draußen wie drinnen prangten.
Chacko, der Leiter des Berufsbildungszentrums gegenüber (er hatte
uns die Praktikumsstellen besorgt) kam schließlich auch noch hinzu.
Es wurde sich ein wenig ausgetauscht.
Um vier dann etwa sollte es ein zweites Mal zum Sägewerk gehen und
wir durften wieder mit. Dort war der dicke Baumstamm inzwischen fertig
und wir luden ihn nur schnell auf.
Hinten auf dem Pickup Laster durften wir mitfahren. Juhu. Wind, Sand und
Sägemehl in den Haaren. Toll, toll, toll.
In der Firma wollten wir nur noch schnell abladen, denn der Rest der Belegschaft
hatte inzwischen schon verdienten Feierabend gemacht. Doch zwei Arbeiter
hatten noch einen solch dingenden Auftrag, den sie ohne das gerade geholte
Holz nicht vorher erledigen konnten, dass sie gleich anfingen abzulängen
und abzurichten und trotz Feierabend weiterarbeiteten. Wir fragten nach
einigen Holzstücken zum Andenken aus den Resten im Hinterhof, die
bekamen wir auch. Doch weil dies „nur“ Chanfuta war, bekamen
wir von Mohammed seine guten Probestücke, die er den Kunden zur Holzauswahl
gibt. Oh man, wir mussten sie annehmen. Aber Danke Mohammed für all
deine Bemühungen. Viel haben wir an diesem Tag erlebt. Vielen Dank!
Tag 29
Maputo - letzter Tag
Letzter Tag! Das Wetter wird schlecht. Alle haben ihre eigenen Pläne.
So wie ich auch, wollen die meisten noch etwas besorgen oder noch einmal
neue Bekannte treffen. So geht jeder seiner Wege. Am Nachmittag treffen
sich einige von uns, um über den größten Markt von Maputo
zu gehen. Es regnet und die Wege sind schlammig, trotzdem sind alle guter
Laune und staunen über das reichhaltige Angebot. Wir probieren Perücken
an einem Frisörstand aus, was verständlicherweise für größte
Heiterkeit in unserer Umgebung sorgt. Als wir ein Foto von Michael und
Annika mit Afrolocken schießen, passiert etwas, von den umliegenden
Ständen nähern sich viele Menschen, setzen sich auch alle Perücken
auf und drängen sich fröhlich mit auf das Bild. Alles endet damit,
dass alle sich vor Lachen krümmen. Wir gehen los zu unserem Abschiedsabend,
die Perücken lassen wir auf. Mit den meisten Leuten, die wir hier
kennen gelernt haben, essen wir zu Abend und gehen die restliche Nacht
feiern.
Es wird viel getanzt und noch mehr gelacht. Das werde ich am meisten vermissen.

Tag 30
Abreise
Packen, Aufräumen und sich auf zu Hause freuen, damit der Abschied nicht
zu schwer fällt. Einige sind zum Flughafen gekommen, und als wir im Flieger
sitzen und gen Startbahn tuckern, sehen wir sie noch lange auf der sonnigen
Aussichtsterrasse stehen und winken. Wir winken zurück und freuen uns
auf ein Wiedersehen.
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