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„Forum zum
Austausch zwischen den Kulturen – Begegnung auf
Augenhöhe über das Handwerk“
Junge Menschen verstehen die Ursachen
von Armut und Unterentwicklung in den armen Ländern
besser, wenn entwicklungspolitische Inhalte am Beispiel
konkreter Kontakte zu realen Menschen vermittelt werden.
Im Rahmen der Kooperation zwischen der Staatlichen Gewerbeschule
6 in Hamburg und mosambikanischen Bildungsinstitutionen
wird angestrebt, Globales Lernen und Bildung für
nachhaltige Entwicklung im Berufsschulunterricht praxisbezogen
zu unterrichten und dabei ein Verständnis für
globale Verantwortung und kulturelle Vielfalt zu vermitteln.
Berufliche Bildung ist hierbei sowohl in Deutschland
wie auch in Mosambik ein Handlungsfeld, das sowohl ökonomische
als auch soziale und ökologische Teilbereiche zum
Gegenstand hat.
Die Staatliche Gewerbeschule für
Holztechnik, Farbtechnik und Raumgestaltung in Hamburg
wird von Auszubildenden der Maler- und Lackierer-, Tischler-,
Raumausstatter- und Textilberufe, von zukünftigen
Holztechnikern, Maler- und Gewandmeistern sowie Fachoberschülern
für Raumgestaltung besucht.
Seit 2001 steht die Gewerbeschule 6 in Kontakt mit Einrichtungen
in Mosambik, mit dem Ziel, einen Austausch zwischen
den (Handwerks-) Kulturen auf Augenhöhe zu ermöglichen
und langfristig dazu beizutragen, die Berufsperspektiven
von Kindern und Jugendlichen in Mosambik zu verbessern.

Mit der Gründung des Vereins „Forum
zum Austausch zwischen den Kulturen“ 2002 besteht
für unsere SchülerInnen die Möglichkeit,
sich für die Ziele der Partnerschaft auch ausserhalb
der Schule zu engagieren. Ehemalige SchülerInnen
geben wertvolle Erfahrungen an die „Neuen“
weiter und wichtige Qualifikationen von Aussenstehenden
bereichern und erleichtern die Arbeit.
Zentrales Ziel unseres Partnerschaftskonzeptes ist der
Dialog zwischen den Kulturen auf Augenhöhe: Der
gegenseitige Besuch in Hamburg und Mosambik ermöglicht
es den Schülern, Menschen einer anderen Kultur
"hautnah" zu erleben. Im Verlauf des intensiven
Kontaktes zwischen deutschen und mosambikanischen Jugendlichen
werden Vorurteile abgebaut, die jeweils andere Kultur
als Bereicherung der eigenen erkannt und die eigene
Kultur kritisch reflektiert. Dabei werden soziale und
interkulturelle Kompetenzen erworden und im Unterricht
weiter verstetigt. Zudem machen unsere Schülerinnen
und Schüler Erfahrungen mit einer Kultur, deren
Lebensfreude Mut macht, sich in unserer Gesellschaft
für eine gerechtere Welt einzusetzen.

Im Rahmen der Partnerschaftsarbeit
planen Schülerinnen und Schüler aus Hamburg
und Mosambik gemeinsam Arbeitsprojekte, die mit einfachen
Mitteln in Mosambik, aber auch in Hamburg durchgeführt
werden können, z.B. Bau eines Hobels oder Schneidern
einer Schuluniform. Diese Projekte ermöglichen
den Austausch über die gemeinsame Arbeit und dadurch
ein Kennenlernen und Verständnis für einander
auch über sprachliche und kulturelle Hindernisse
hinweg. Die Arbeitsprojekte werden von den beteiligten
Schülerinnen und Schülern weitgehend selbständig
geplant und selbstverantwortlich durchgeführt.
Handwerkliche Kenntnisse und Fertigkeiten werden ausgetauscht
und ermöglichen es den SchülerInnen in Mosambik,
zu einer Verbesserung ihrer schulischen Ausbildungssituation
sowie zu einer Verbesserung des Familieneinkommens beizutragen.
Nachhaltiges Wirtschaften erfahren unsere Schüler
unmittelbar, indem sie unter den stark eingeschränkten
Fertigungsbedingungen in Mosambik Arbeitsprojekte mit
Jugendlichen einer anderen Kultur durchführen.
Sie kehren mit einem veränderten Denken in Bezug
auf Ressourceneffizienz nach Deutschland zurück
und vermitteln ihren Mitschülern ein Bewusstsein
für sparsames Wirtschaften, einem Ziel, dem sich
die G6 seit Jahren verpflichtet hat (Erfolgreichste
Hamburger Schule bei der Einsparung von Energie und
Wasser und bei der Müllreduzierung, Auszeichnung
mit dem Hamburger Klimabär 2007).
Die Partnerschaftsarbeit ist wesentlicher
Teil des Schulprofils. Am Beispiel Mosambiks werden
z.B. Inhalte der Fächer Politik oder auch Deutsch
behandelt. Es finden klassenübergreifende Lernfeldprojekte
im Bereich Gestaltung statt, die auf die Kultur Mosambiks
Bezug nehmen. Mosambikanische Künstler werden eingeladen
und arbeiten in Workshops mit unseren Schülerinnen
und Schülern. Regelmäßige Gegenbesuche
von mosambikanischen Schülern und Lehrern in Hamburg
lassen dabei den Gedanken einer echten Partnerschaft
auf Augenhöhe nicht zu einer Einbahnstrasse werden.
Wir verstehen unser Partnerschaftskonzept als lernendes
Projekt, in dem ein Transfer guter Praxis in die Breite
auch gerade für andere Berufsschulen nutzbar gemacht
werden kann.
Deshalb stellt das Forum seine Erfahrungen
in der Öffentlichkeit dar, bemüht sich um
Bündnispartner und wird für seine Arbeit in
Deutschland und Mosambik geschätzt:
So stehen wir in regelmäßigem Austausch mit
anderen Schulen, die Lernpartnerschaften pflegen, insbesondere
über den Koordinierungskreis Mosambik. Seit 2007
kooperieren wir auch mit anderen Berufsschulen, die
unserem Beispiel folgend Partnerschaften mit mosambikanischen
Schulen aufbauen (Schulen für Holz und Gestaltung
Garmisch Partenkirchen, Gewerbeschule 2 in Hamburg).
Die Entwicklung der Partnerschaftsarbeit der G6 in den
vergangenen neun Jahren ist gekennzeichnet von vielfältigen
Netzwerkaktivitäten. Zu nennen seien beispielhaft
die Zusammenarbeit mit kirchlichen Trägern (Nordelbische
Kirche), Institutionen der staatlichen EZ (BMZ, Deutsche
Botschaft in Maputo, ENSA, ASA, inWent, Senatskanzlei
Hamburg), und zivilgesellschaftlichen Institutionen
der Weltarbeit (Koordinierungskreis Mosambik, INKOTA,
Eine-Welt-Netzwerk Hamburg).
Als Kooperationsbeispiele seien genannt: Besuch von
mosambikanischen Künstlern an unserer Schule, die
im Rahmen von Unterrichtsprojekten mit Schulklassen
arbeiten. Diese Künstler wurden und werden vom
Koordinierungskreis Mosambik nach Deutschland eingeladen.
SchülerInnen des Forums organisieren selbständig
die Teilnahme an Veranstaltungen unserer Kooperationspartner,
zum Teil als Referenten zum Thema „Globale Lernpartnerschaften“
oder mit Informationsständen, mit denen unser Partnerschaftskonzept
dargestellt wird (z.B. Nordelbische Kirche, Innung Holz
und Kunststoff Hamburg, etc.). Mitarbeit bei der Evaluation
von Austauschmaßnahmen, z.B. ENSA-Programm. Vorschlag
und Durchführung von Austauschmaßnahmen,
z.B. ASA 2003 und 2004. Kooperation bei der Organisation
und Durchführung von Partnerschaftsaktivitäten
in Mosambik (INKOTA, Deutsche Botschaft, GTZ). Partnerschaftsaktivitäten
in Deutschland: z.B. 2009/2010 der Besuch eines Tischlers
unserer Partnerschule in Hamburg, der für 5 Monate
an der G6 und in einem Handwerksbetrieb seine fachlichen
und berufspädagogischen Kenntnisse erweitern wird.
Die Finanzierung erfolgt über das Regierungsstipendiatenprogramm
des Hamburger Senats (Senatskanzlei) und wird in Kooperation
mit Arbeit und Leben Hamburg durchgeführt.
Die Partnerschaftsarbeit der G6 wird
kontinuierlich dokumentiert. Dies geschieht u.a. über
die Internetseite www.gsechs-forum.de, durch mittlerweile
zwei Dokumentarfilme sowie die Teilnahme von Forumsmitgliedern
an regionalen und überregionalen Veranstaltungen
zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Die Arbeit des Forums wird in Deutschland (Bundespräsident,
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit)
und in Mosambik von staatlichen und nichtstaatlichen
Institutionen hoch anerkannt, hier insbesondere an unseren
Partnerschulen und durch das Erziehungsministerium.
Unsere Partnerschaftsaktivitäten wurden im Bericht
an den Ministerrat in Mosambik aufgeführt und im
Rahmen der Regierungskonsultationen über die zukünftige
Entwicklungszusammenarbeit mit Deutschland von mosambikanischer
Seite thematisiert. Beispielhaft wird unser Partnerschaftskonzept
im aktuellen Weissbuch des BMZ aufgeführt. Im Februar
diese Jahres wurde das Forum als Dekadeprojekt der UNESCO
ausgezeichnet. Mitglieder des Forums wurden im März
zu dem von VENRO organisierten internationalen NGO-
Kongress „Global learning – Weltwärts
and beyond“ nach Bonn eingeladen, der im Vorfeld
der Weltkonferenz 2009 der UN für Bildung für
nachhaltige Entwicklung stattfand.
Die laufenden Aktivitäten unserer
Partnerschaftsarbeit werden durch Spenden und Mitgliedsbeiträge
finanziert. Partnerschaftsreisen efordern immer wieder
umfangreiche Antragsstellungen bei den wenigen Einrichtungen,
die solche Aktivitäten überhaupt bezuschussen
(Kirchlicher Entwicklungsdienst, Norddeutsche Stiftung
für Umwelt und Entwicklung, ENSA). Diese Reisen
werden jedoch immer zu einem großen Teil durch
die Teilnehmer (Schüler und Lehrer) selbst finanziert.
Interkulturelle Seminare werden und wurden bezuschusst
von InWEnt, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst und dem
Schulverein der G6. Zusätzliche Einnahmen ergeben
sich aus Sponsorenläufen oder Auftragsarbeiten
von Klassen im Rahmen des Unterrichts.
Für die Realisierung unserer Filmdokumentationen
konnten wir Mittel beim Aktionsgruppenprogramm des BMZ,
bei der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung
und beim Kirchlichen Entwicklungsdienst einwerben. Ohne
die Bereitschaft der Dokumentarfilmer, auf eine angemssene
Bezahlung ihrer Leistungen zu verzichten, wären
diese Projekte allerdings nicht möglich gewesen.
An der laufenden Partnerschaftsarbeit
nehmen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen
und Lehrer der G6 teil. Der Verein ermöglicht es
dabei, dass auch „ehemalige“ Schüler
nach Beendigung ihrer Ausbildung weiterhin im Verein
aktiv sind. Zudem erfahren wir Unterstützung von
Studierenden der Universität Hamburg, die mit ihren
Qualifikationen (Gewerbelehramtsstudium, Studium Industriedesign,
u.a.) unsere Arbeit bereichern. Unsere Schüler
befinden sich zum Großteil in handwerklichen Ausbildungsverhältnissen
(Tischler, Maler, Raumausstatter, textile Berufe) oder
verfügen bereits über eine abgeschlossene
Berufsausbildung und besuchen unsere Fachoberschule
für Gestaltung, unsere Fachschulen für Holztechnik
oder Farbtechnik bzw. machen eine zweijährige Gewandmeisterausbildung.
Bisher fanden vier Partnerschaftsreisen
von Deutschland nach Mosambik mit steigenden Teilnehmerzahlen
statt (2002: 6 Schüler, 2 Lehrer; 2006: 8 Schüler,
2 Lehrer; 2007: 11 Schüler, 3 Lehrer).
Im August/September 2009 erfolgte die vierte Reise mit
insgesamt 17 Teilnehmern. An dem zentralen Projekt,
der Gestaltung und dem Bau eines Spielplatzes nahmen
Schüler verschiedener mosambikanischer Schulen
sowie Schüler verschiedener Abteilungen unserer
Schule teil (siehe Anlage „Konzept der Partnerschaftsreise
2009 nach Mosambik“.
Die Reisegruppen setzen sich zusammen aus Schülerinnen
und Schülern aller Schulformen der G6. Eine Auswahl
erfolgt nicht anhand bestimmter Kriterien. Allerdings
verpflichten sich die Teilnehmer, im Rahmen der ca.
9-monatigen Vorbereitungsphase an den Reisevorbereitungstreffen
(monatlich am Wochenende) sowie an den Vereinssitzungen
(monatlich) teilzunehmen. Die Themen der Arbeitsprojekte
in Mosambik werden von den Reiseteilnehmern selbst entwickelt
und mit unseren Partnern in Mosambik abgestimmt. Die
bereits durchgeführten Arbeitsprojekte sind auf
der Website des Forums ausführlich in den Reisetagebüchern
der Schüler dargestellt.
Auch die Projekt- und Reiseorganisation erfolgt unter
maximaler Beteiligung aller Reiseteilnehmer. Eine Teilnahme
an einem solchen Reiseprojekt erfordert von unseren
Schülern ein hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit
sowie persönlichem, zeitlichem und finanziellem
Einsatz. So müssen die Berufsschüler zum Teil
ihren Jahresurlaub für die Teilnahme an einer solchen
Reise investieren. Die Reisen finden zur Hälfte
während der Hamburger Schulferien und zur Hälfte
in der Schulzeit statt. Versäumte Unterrichtsinhalte
müssen selbständig mit Unterstützung
der begleitenden Lehrer erarbeitet werden.
Durch die wechselseitigen Besuche versuchen wir eine
Kontinuität unserer Partnerschaftsbeziehungen mit
Mosambik zu erreichen. Gegenbesuche in Hamburg fanden
statt 2004, 2007 und 2008. Zur Zeit hält sich ein
Tischler unserer Partnerschule in Moamba im Rahmen eines
Regierungsstipendiums des Hamburger Senats für
5 Monate in Hamburg auf. Für 2010 ist ein weiteres
Incoming-Projekt geplant.
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